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Tommy Lee Jones:Rückhaltlos ehrlich

Jetzt schaut er echt wütend. Weil er merkt, dass supersimple Fragen auch Fallen sein können. Ein ernst zu nehmender Mann würde jetzt eine ernst zu nehmende Antwort geben. Aber das will er nicht. Seine dunklen Augen funkeln. "Was meinen sie mit ,Wie denn?'? Wo sind Sie denn geboren und aufgewachsen? Und hatte das irgendeinen Einfluss auf Sie?"

"Natürlich."

"Und? Wie denn?"

Ha, eiskalt gekontert. Jetzt hat er den Spieß umgedreht, mit dieser Gegenfrage ist er fast schon entkommen. Weil Glattgesicht in diesem Moment eingestehen muss, was für ein oberflächlicher Journalistentrottel er ist. Nun blinken seine Augen diabolisch, fast vergnügt.

Und in dem Moment ist klar, dass jetzt nur noch eines bleibt: rückhaltlose Ehrlichkeit. Was gar nicht so einfach ist, wenn man aus Stuttgart kommt. Aber los.

"Ich komme aus dem südlichen Teil Deutschlands, wo Mercedes und solche Dinge gebaut werden. Die Menschen dort, glaube ich, werden als hart arbeitende, sehr gewissenhafte Leute angesehen, aber auch als etwas engstirnig und provinziell. Ich habe das Gefühl, dass ich diesen Arbeitseifer oft in mir wiedererkenne. Aber ich erkenne auch den Drang, der Enge zu entkommen."

Die Wandlung beginnt

In diesem Moment werden seine Gesichtszüge weich, und irgendwie ist jetzt gerade nicht mehr zu leugnen, dass das eine echte Antwort ist.

"Ich weiß gar nichts über Deutschland", sagt er. "Das klingt aber sehr interessant." Und dann, gewissermaßen als Gegengabe, beginnt er selbst zu erzählen, minutenlang, ohne Fragen dazwischen und ohne Punkt und Komma. Das Einzige, was jetzt noch zu tun bleibt, ist: diese Antwort dokumentieren.

"Also, ich bin in Texas geboren und aufgewachsen, als Kind von Leuten, die auch schon in Texas geboren und aufgewachsen sind. Wir haben immer vom Land gelebt. Das Land ist mir nah. Wir sind im Rindergeschäft und im Pferdegeschäft, wir haben Ranches und eine Farm, wo ich Heu mache, Haferheu aber auch Grasheu, das ich für meine Rinder brauche.

Wir züchten eine Rinderart, die Brangus genannt wird, eine Kreuzung aus Brahman-Rind und Angus, einer englischen Rasse. Unsere Mischung dürfte im Moment 75 Prozent Angus und 25 Prozent Brahman sein, jedes Tier hat ungefähr diese Anteile. Der Brahman-Anteil sorgt für eine dünnere Haut, dann vertragen die Tiere die Hitze besser, außerdem sind sie widerstandsfähiger gegen innere und äußere Parasiten.

Vom Brahman kommt auch eine bessere Fähigkeit zur Futtersuche, denn unser Land ist an einigen Stellen felsig und rau. Also brauchen die Rinder die Bereitschaft, wirklich Gras zum Fressen zu finden. Das Brahman arbeitet hart für sein Gras. Englische Züchtungen dagegen wurden über Hunderte von Jahren auf den saftigsten Weiden aufgezogen, die mussten nie sehr lange suchen, um sich satt zu fressen. Mit diesem Erbe kommen sie in Texas nicht weit.

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