Tommy Lee Jones "Was haben Sie mit ihm gemacht?"

Dieses Gesicht erzählt eine Geschichte. Und die beginnt schon, bevor Tommy Lee Jones überhaupt den Mund aufmacht.

(Foto: AFP)

Schauspieler Tommy Lee Jones hat schon vor dem Treffen mit unserem Autor Scharen von Reportern in den Nervenzusammenbruch getrieben. Eine Begegnung, die als Katastrophe beginnt, sich langsam steigert und in einem seltenen Moment der Offenheit kulminiert.

Von Tobias Kniebe

Bevor Tommy Lee Jones etwas sagen kann, sprechen seine Tränensäcke für ihn. Die sind, aus der Nähe betrachtet und im Konzert mit seinen Falten und seinem Quadratschädel, noch eindrucksvoller als auf der Leinwand. Wo sie in seinem aktuellen, kongenial knorrigen Anti-Western "The Homesman" auch schon ziemlich eindrucksvoll sind.

Hör mal her, Glattgesicht, scheinen diese Tränensäcke zu sagen: Es ist mir scheißegal, was du von mir denkst. Und auch, was du von meinem neuen Film hältst. Allein die Tatsache, dass dein Gesicht so glatt ist, stimmt mich misstrauisch. Also bin ich jetzt sehr gespannt, ob deine erste Frage tatsächlich so schwachsinnig wird, wie ich das gerade vermute.

Wirklich, mit dieser Haltung geht Tommy Lee Jones in seine Interviews. Das ist mehr als ein rein persönlicher Eindruck. Das Problem ist bekannt. Scharen von Hollywood-Korrespondenten hat er damit bereits zu Tränen oder fast in den Nervenzusammenbruch getrieben. Auch diesmal scheint das die Devise zu sein: Mein Gesicht ist in Stein gemeißelt. Ich bin Granit.

Immer anders, immer neu

Man beginnt bei den persönlichen Triebkräften fürs Filmemachen, und die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Unpersönliche Triebkräfte wären ja wohl lächerlich."

Man fragt, was seine Regiearbeiten vielleicht verbindet. Aber natürlich verbindet sie nichts - alles immer anders, alles immer neu. Man fragt nach ikonischen Rollen und Figuren, die ihm besonders ans Herz gewachsen sind. "Sie meinen Markenzeichen? Ich hoffe, die gibt es nicht." Und so geht es weiter, selbst über seine Collegefreundschaft mit Al Gore will er nur sagen, dass der eben ein feiner Kerl sei.

Nun ist es für Schauspieler und Regisseure ja legitim, wenn sie unendlich wandlungsfähig und immer wieder anders, ohne Meinungen und Präferenzen und Persönlichkeit erscheinen wollen. Nur hat man außer dieser einfachen Tatsache dann eben auch keine Story - und nichts zu besprechen. Eines immerhin gibt Tommy Lee Jones schließlich zu: dass Texas, seine Heimat, ihn stark geprägt habe. Womit er sich aber eine Blöße gegeben hat, die schon die nächste, supersimple Frage an den Tag bringt: "Wie denn?"