Tod der Schauspielerin Was man bei Carrie Fisher oft übersehen hat

Autorin, Komödiantin, Feministin: Carrie Fisher.

(Foto: REUTERS)

Vielmehr als die Schneckenzopf-Frisur zeichneten Carrie Fisher schonungslose Offenheit und Humor aus. Warum es tragisch ist, die verstorbene Schauspielerin auf Prinzessin Leia zu reduzieren.

Von Carolin Gasteiger

Wenn Schauspieler ein Leben lang und länger mit der einen Rolle in Verbindung gebracht werden, ist das schade. Im Falle von Carrie Fisher ist es tragisch. Fisher war mit ihrem Realismus und Sinn für Humor längst über das ewige Sternenmädchen hinausgewachsen. Drei Seiten von Carrie Fisher, die man leicht vergisst:

Carrie Fisher, die Autorin

Fisher verfasste sieben Romane, darunter das autobiografische "Postcards from the Edge" (1987, auf Deutsch: "Grüße aus Hollywood") über eine kokainabhängige Schauspielerin und deren schwierige Schauspieler-Mutter. Der Roman wurde drei Jahre später mit Meryl Streep und Shirley MacLaine verfilmt, Fisher schrieb damals das Drehbuch.

Ganz bewusst machte sie auch Prinzessin Leia zu einem Teil ihrer Bücher. Das Cover ihrer Memoiren "Wishful Drinking", in denen sie ihre Alkoholsucht thematisierte, ziert eine auf dem Tisch eingeschlafene Leia, neben ihr ein volles Glas Wein. Auch Fishers jüngstes Werk, das im November erschienene "The Princess Diaries", basiert auf von ihr geschriebenen Tagebüchern während der Star-Wars-Dreharbeiten.

Fisher verkannte Prinzessin Leia nicht, im Gegenteil. Sie habe sehr viel mit der Rolle gemein, sagte sie Anfang der Achtzigerjahre in einem Interview mit dem Rolling Stone. Trotzdem schien sie ihr Leben lang mit dem Image des Sternenmädchens zu hadern.

Carrie Fisher

Möge die Macht mit ihr sein

Carrie Fisher, die Komödiantin

Jemand, der seine Memoiren "Wishful Drinking" nennt, muss ein gehöriges Maß an Selbstironie besitzen. Carrie Fishers Strategien, mit dem Image als ewige Prinzessin Leia umzugehen, waren Humor und Sarkasmus. Als sie einmal gefragt wurde, wie sie überhaupt zu Star Wars gekommen sei, sagte sie der Vanity Fair: "Ich schlief mit irgendeinem Nerd. Ich hoffe, es war George (Lucas) ... Ich nahm zu viele Drogen, um mich zu erinnern." Auf der Bühne mokierte sie sich immer wieder ironisch über die charakteristische Schneckenzopf-Frisur Leias, die ihr rundes Gesicht nur noch runder mache.

Ihren Auftritt als legendär schwierige Drehbuchautorin Rosemary Howard in der US-Sitcom "30 Rock" lobte Emily Nussbaum vom New Yorker als "Schlüssel zu Mythologien weiblicher Comedy". Immer wieder parodierte sie zudem selbst Teile von Star Wars. Zum ersten Mal trat sie bereits ein Jahr nach dem Kinoerfolg im Jahr 1977 in der Comedysendung Saturday Night Live auf. In dem Sketch twistet sie herrlich selbstironisch im goldenen Bikini neben Dan Akroyd am Strand:

Auch ihren traurigen Kindheitserfahrungen als Tochter der Fünfzigerjahre-Stars Debbie Reynolds und Eddie Fisher versuchte sie mit Witz und Sarkasmus beizukommen. Ihr Vater Eddie Fisher hatte ihre Mutter für Elizabeth Taylor verlassen, deren Mann kurz zuvor verstorben war. In "Wishful Drinking" kommentiert sie: "Erst trocknete er ihre Tränen mit einem Taschentuch, dann schickte er ihr zum Trost Blumen und zuletzt seinen Penis. Das ließ eine Ehe in den Augen meiner Mutter seltsam erscheinen."

Sogar ihren eigenen Tod wusste sie ironisch vorwegzunehmen: "Egal wie ich eines Tages sterbe, es soll berichtet werden, ich sei im Mondschein ertrunken, erdrosselt von meinem eigenen BH." Fisher ging zwar mit ihren Problemen scheinbar schonungslos offen um; in ihren Aussagen schwingt dennoch immer auch Verletzlichkeit mit.

Carrie Fisher, die Feministin

Mit nur einer einzigen erotischen Szene, im goldenen Bikini und als Gefangene von Jabba the Hutt, beflügelte Fisher unzählige Männerfantasien. Ihr war bewusst, dass Leia im Laufe der Weltraum-Saga nur dadurch weiblicher wurde, dass sie weniger anhatte. Fisher hatte bald kein Problem damit, ihr Alter Ego als "Weltraumschlampe" zu bezeichnen.

Als Eltern öffentlich forderten, eine Leia-Puppe im Bikini-Outfit verbieten zu lassen, wehrte sie sich jedoch entschieden. "Das ist doch Unsinn", sagte sie dem Wall Street Journal. Hysterischen Väter, die von ihren Töchtern nach Sinn und Zweck des aufreizenden Outfits befragt würden, riet sie: "Sagt ihnen, ein Riesenmonster hält mich gefangen und zwingt mich, dieses dumme Outfit zu tragen, dann töte ich das Untier, weil mir das Outfit nicht gefällt. Dann ziehe ich es aus. Backstage."

Fisher waren die Schönheitsideale Hollywoods immer zuwider. Sie versuchte, sich diesen zu widersetzen, indem sie im dunklen Schlabberlook und mit Bulldogge Gary über den Roten Teppich lief oder öffentlich die Vorwürfe konterte, sie sei nicht gut gealtert. "Männer altern nicht besser als Frauen, ihnen ist es nur erlaubt, zu altern", sagte sie beispielsweise einmal. Daisy Ridley, die die junge Rey in der Star-Wars-Sequel "Das Erwachen der Macht" spielt, empfahl sie, sich nicht versklaven zu lassen, wie es ihr selbst geschah. Carrie Fisher machte es zu ihrer Lebensaufgabe, gegen diese Vereinnahmung zu kämpfen.

Feuilleton Das ewige Sternenmädchen
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