Tocotronic-Lieblingslieder der SZ-RedaktionSie wollen uns erzählen

Diskurs-Pop, Intellektuellen-Rock, Feuilleton-Musik: Tocotronic machen angeblich vieles, vor allem aber Songs, die Leben begleiten. Und das seit 20 Jahren. Heute erscheint ihr neues Album. Anlass für einen Blick zurück, voller Lieblingslieder.

Es klafft eine erstaunliche Lücke zwischen der unbestrittenen Schönheit des männlichen Vornamens Dirk und seiner popkulturellen Referenzierung. Außer den Sportfreunden Stiller ("Dirk, wie ist die Luft dort oben", 2012) und der Skaband Monkey Beach ("Dirk", 2012) haben sich vor allem Tocotronic um den Namen verdient gemacht.

Als Hidden Track verstecken sie auf dem aktuellen Album ein "Date mit Dirk", das nahtlos an den Klassiker des Dirk-Pop aus dem Jahr 1995 anknüpft: "Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk" ist seit damals eine Hymne für Jungen, die in den 1970er Jahren von ihren Eltern mit diesem Namen beschenkt und zu dem Selbstbewusstsein erzogen wurden, über die Grenzen des eigenen Teller- bzw. Landesrandes hinaus zu denken. Die Replik "Was bildest du dir ein?" wurde ihnen zum ständigen Ansporn, sich nicht zufrieden zu geben, bis sie eines Tages vor dem "Public Market Center"-Schild in Seattle stehen und mit einem wissenden Kopfschütteln leise summen: "Was nicht ist, kann niemals sein." Kann es doch - ich weiß, wovon ich spreche. Tocotronic sei Dank! Von Dirk von Gehlen

Bild: Illustration: Yinfinity 1. Mai 2015, 12:422015-05-01 12:42:23 © SZ.de/khil/jobr/rus