bedeckt München 22°
vgwortpixel

Tiere im Weltall:Diese Weltraumhunde verdienen unsere Liebe

Belka und Strelka, die wohl süßesten Weltraumhunde der Geschichte.

(Foto: imago stock&people)

Die Hunde Belka und Strelka waren die wichtigsten flauschigen Kosmonauten aller Zeiten. Warum nur erinnert sich kaum jemand an sie?

Es begann damit, dass Belka sich in die Raumkapsel übergab. Nachdem Belka und Strelka beim Start der Rakete am 19. August 1960 von der fünffachen Erdanziehungskraft auf den Boden gepresst worden waren, schwebten die wohl beiden wichtigsten Hunde, die je den Weltraum bereist haben, erst einmal apathisch in der Schwerelosigkeit herum. Die speiende Belka aber löste die beiden aus ihrer Trance und sorgte dafür, dass sie den Rest ihres Tages in der Erdumlaufbahn kläffend verbrachten.

Laika ist der Hund, den man mit der sowjetischen Weltraumforschung verbindet. Doch kann man ihre Leistung nicht mit der von Belka und Strelka vergleichen. Während Laika kurz nach dem Start ihrer Rakete 1957 starb, verbrachten die beiden Hunde drei Jahre später mehr als 24 Stunden im All. Und kehrten dann zurück, um ihr restliches Leben der Propaganda für das sowjetische Raumfahrtprogramm zu widmen. Belka und Strelka erst gaben den Anstoß für die bemannte Raumfahrt. Der Ruhm Laikas aber überstrahlt die Erinnerung an sie.

Von der Geschichte vergessen

Manchmal will die Welt nicht diejenigen würdigen, die etwas leisten. Sie will lieber die würdigen, die sich vermarkten lassen oder können. Die anderen geraten in den Fußnoten der Geschichte oft in Vergessenheit. Wen interessiert es denn, dass Thomas Edison nicht die Glühbirne erfunden hat und sein Stromkonzept am Ende durch das seines Konkurrenten Nikola Tesla ersetzt wurde? Wer will wissen, dass Christoph Columbus nicht der erste Europäer in Amerika war oder dass die Brüder Wright nicht das erste Flugzeug gebaut haben? Nicht nur Menschen, auch Tiere werden so um ihren verdienten Platz in den Geschichtsbüchern betrogen. Belka und Strelka verdienen eine Würdigung.

In Russland, das sei gesagt, sind Belka und Strelka noch heute ein Begriff. Mottenzerfressen kann man die beiden ausgestopft sogar im Kosmonautenmuseum in Moskau besuchen. Über ihnen aber prangt das Porträt Laikas. Nicht nur im Museum, auch in der Öffentlichkeit stehen sie in der Space-Dog-Hierarchie unter Laika, wobei es doch nur deren hundeseelenverlassener Pelzkörper war, der im Herbst 1957 um die Erde kreiste.

Ein Kinderfilm verklärt ihre Geschichte

Erst 2010 erschien der russische Film "Space Dogs", der von Belkas und Strelkas Kosmonautentraining, ihrem Flug ins All und den diplomatischen Nachwirkungen erzählt. Der Film erinnert an den Stil von Pixar, kopiert aber schlecht und gibt sich wenig Mühe, das zu kaschieren. Die Animation erinnert an Playstationspiele der Neunziger und die Story bleibt so oberflächlich, dass man sie eher in einem Pixie-Heft vermuten würde.

RUSSIA-ENTERTAINMENT-SPACE-CARTOON-ANIMALS

Belka im Kinderfilm "Space Dogs" als Zirkusartistin.

(Foto: AFP)

Hobby-Kritiker auf der International Movie Database beschimpfen den Film als sozialistische Propaganda, anderen fehlen die Weltraumabenteuer der Hunde. Eine Lanze muss man trotzdem für den Film brechen. Immerhin ist er ein zeitgenössisches Dokument, das Belka und Strelka gedenkt. Ohne den Film erinnerte man sich heute womöglich gar nicht mehr an die Leistungen der beiden wuscheligen Weltraumhelden.

Sicherlich verklärt "Space Dogs" die Geschichte der beiden Hunde. Hier ist Strelka ein Taugenichts und Belka die gefeierte Artistin eines Ungeziefer-Zirkus. Mit der wahren Geschichte der Hunde und ihrer Realität als Streuner in den schmutzigen Hinterhöfen und ranzigen Seitengassen Moskaus hat das nichts zu tun. Der Aufstieg vom Bordstein bis zur Skyline fällt gänzlich unter den Tisch.

Zur SZ-Startseite