bedeckt München

Thriller:System der Angst

Filmstill "Holiday"

Sascha (Victoria Carmen Sonne) an der türkischen Riviera.

(Foto: Drop-Out/Alamode)

Die schwedische Regisseurin Isabella Eklöf erzählt in "Holiday" von einer jungen Frau, die in die Fänge eines Drogenhändlers gerät.

Von Kevin Scheerschmidt

Die junge, attraktive Dänin Sascha (Victoria Carmen Sonne) ist frisch in der Türkei angekommen und soll für ihren Boss/Liebhaber/Sugardaddy Geld an einen Geschäftspartner überbringen. Bei der Übergabe auf dem Beifahrersitz eines Autos gefangen, gibt es für Sascha kein Entkommen vor dem Geldempfänger. Der ist erzürnt, dass ein bisschen Geld fehlt, und schlägt ihr mehrfach ins Gesicht. Der männliche Aggressor spielt seine körperliche Überlegenheit aus, nutzt die Frau als Ventil seiner Wut.

Die schwedische Filmemacherin Isabella Eklöf spielt in ihrem Regiedebüt "Holiday", das derzeit in einigen Kinos läuft und am 23. August auf DVD erscheint, mit den Emotionen der Zuschauer. Denn Gewalt bekommen hier ausschließlich die ab, die es scheinbar nicht verdient haben. Die Regisseurin präsentiert keine Gewalt, die wie zum Beispiel bei Quentin Tarantino bis zum Slapstick überzeichnet wird. Die Gewalt in "Holiday" soll realistisch sein, schockierend. Als Sascha endlich bei ihrem Liebhaber, dem doppelt so alten Drogenboss Michael (Lai Yde), ankommt, währt die Freude nur kurz. Er macht ihr zunächst Komplimente und kauft ihr Ohrringe, gibt sich als großer Kümmerer. Auch die anderen Hausbewohner (Familie? Freunde?) behandeln Sascha scheinbar sehr liebevoll. Ganz distanziert vom Geschehen suggerieren aber schon die weiten Aufnahmen von Kameramann Nadim Carlsen, dass zwischenmenschliche Wärme an der heißen, türkischen Riviera in weiter Ferne liegt.

Eines Abends befindet sich Sascha, von Michael unter Drogen gesetzt, bewusstlos im Bett. Als er anfängt sie auszuziehen, ist offensichtlich, was folgen wird. Aber Eklöf schneidet viele Momente ab, erzählt zunächst nicht alles aus. Umso heftiger ist es deshalb, wenn die körperliche Gewalt plötzlich doch gezeigt wird. Eine Vergewaltigungsszene, in der explizit ein erzwungener Oralverkehr zu sehen ist, kann man nur schwer ertragen. Hier schneidet Eklöf nicht früher ab. Die Kamera hält drauf bis zum Schluss.

In diesem System der Angst spielt Sascha ihre Rolle. Wie es in ihrem Inneren aussieht, bleibt meist verborgen. Als sie den attraktiven und freundlichen Holländer Thomas (Thijs Römer) kennenlernt, scheint sich ihr ein Ausweg zu bieten. Gleichzeitig verschärft die Urlaubsbekanntschaft aber auch die Situation. Denn kampflos wird der eifersüchtige und gewaltbereite Michael seine blonde Trophäe nicht abgeben. Zuletzt spitzt sich die Situation immer weiter zu, bis der Film in einem ziemlich überraschenden, bitteren Ende gipfelt.

Holiday, Dänemark/Niederlande/Schweden 2018 - Regie: Isabella Eklöf. Kamera: Nadim Carlsen. Mit: Victoria Carmen Sonne, Thijs Römer. Drop-Out/Alamode, 93 Minuten.

© SZ vom 22.08.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite