Roman von Hillary Clinton:Verbindungen ins Weiße Haus

Roman von Hillary Clinton: Hillary Rodham Clinton (rechts) hat sich beim Schreiben mit der bekannten Krimi-Autorin Louise Penny zusammengetan.

Hillary Rodham Clinton (rechts) hat sich beim Schreiben mit der bekannten Krimi-Autorin Louise Penny zusammengetan.

(Foto: DoMinique Lafond und Deborah Feingold)

Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton hat mit Krimi-Autorin Louise Penny einen spannenden Thriller geschrieben. Allerdings hat "State of Terror" einen eitlen Beigeschmack.

Von Susan Vahabzadeh

Man kann im Leben viele Dinge erzwingen, aber nicht, dass einem etwas einfällt. So gesehen erzählt jede Fiktion auch etwas über die Menschen, die sie sich ausgedacht haben. Genau deswegen liest man ja einen Kriminalroman, den eine ehemalige amerikanische Außenministerin geschrieben hat - um die Geschichte abzugleichen mit der Wirklichkeit. Dafür ist "State of Terror" von Hillary Clinton überhaupt geschrieben worden. Einmal muss die Heldin, die frischgebackene amerikanische Außenministerin Ellen Adams, beispielsweise fix nach Frankfurt fliegen, wo es ein Attentat gegeben hat und ihr Sohn verletzt wurde, und will die nicht näher benannte deutsche Kanzlerin um Schützenhilfe bitten. Ihr Chef, Präsident Doug Williams, hat Zweifel, und darauf schleudert ihm Ellen Adams entgegen: "Sie ist ein Mensch, sollten Sie auch mal versuchen." Da darf sich die bislang einzige real existierende deutsche Kanzlerin schon ein bisschen geschmeichelt fühlen.

Manche der Bezüge sind herzerweichend. Die beste Freundin der früheren amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton, eine Frau, die sie seit Grundschultagen begleitete, war die 2019 verstorbene Betsy Ebeling - und dass eine der zentralen Figuren in "State of Terror", Betsy Jameson, Freundin der fiktiven amerikanischen Außenministerin Ellen Adams seit Grundschultagen, von ihr inspiriert ist, steht sogar in der Danksagung des Buches. Andere sind, wie soll man sagen: wenig überraschend. Da gibt es beispielsweise den frisch geschassten Amtsvorgänger von Doug Williams, einen Trottel namens Dunn, der seine Nahost-Politik auf seine eigenen Interessen abgestimmt hat. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind selbstverständlich rein zufällig.

Die Recherchen ergeben: Es existiert eine Verbindung ins Weiße Haus

"State of Terror" ist aber insgesamt eine Fiktion. Ellen Adams ist keine Juristin, sie ist verwitwet und eine Quereinsteigerin in der Politik. Der Plot ist allerdings erschreckend gegenwärtig. Eine Mitarbeiterin des Außenministeriums hat eine E-Mail bekommen mit Zahlen, und es stellt sich heraus - leider zu spät -, dass es sich um Buslinien und Uhrzeiten handelt, die Bombenattentate ankündigen. Irgendwas hat das mit den Recherchen zu tun, an denen Gil, der Sohn der Außenministerin, gerade arbeitet - er ist Journalist, sie selbst hat vorher ein Medienunternehmen geleitet. Sie glaubt zu wissen, welche finstere Figur dahintersteckt, Bashir Shah, ein pakistanischer Waffenhändler. Je mehr sie über die Hintergründe herausfindet, desto klarer wird, dass es eine Verbindung ins Weiße Haus gibt.

Hillary Clinton hat das nicht allein geschrieben. Wie vor ihr Bill Clinton, der sich für "The President is Missing" (2018) James Patterson als Co-Autor engagierte, hat auch sie sich eine versierte Spezialistin an die Seite geholt: Louise Penny, Schöpferin des inzwischen auch in Deutschland bekannten Inspektors Armand Gamache, der feinfühlig seit siebzehn Bänden im kanadischen Québec ermittelt. Da gerät er regelmäßig in ethische Bredouillen, Penny führt ihre Geschichten am Ende aber gern zurück ins Idyll seiner späteren Wahlheimat Three Pines - und genau deswegen haben sie wohl auch Hillary Clinton gefallen, die sie zu lesen begann, als sie sich nach der verlorenen Präsidentschaftskandidatur 2016 zurückzog.

Roman von Hillary Clinton: Hillary Clinton: State of Terror, aus dem Amerikanischen von Sybille Uplegger, Harper Collins, 560 Seiten, 24 Euro, auch als E-Book erhältlich.

Hillary Clinton: State of Terror, aus dem Amerikanischen von Sybille Uplegger, Harper Collins, 560 Seiten, 24 Euro, auch als E-Book erhältlich.

"State of Terror" ist ein bisschen lang, aber ganz spannend, und die Geschichte wird umso interessanter, weil man manchmal die echte Ex-Außenministerin Hillary Clinton durchhört - sie hat tatsächlich genau so davor gewarnt, was in Afghanistan bei einem Truppenabzug geschehen würde, wie sie es Ellen Adams in den Mund legt, die Macho-Allüren des russischen Präsidenten perlten an ihr ab und die Frage, um die es hier im Kern geht - was wird auf der Weltbühne geschehen, wenn die USA ein Machtvakuum hinterlassen? - stellt sich ja auch wirklich.

Trotzdem ist "State of Terror", gemessen an einem von Pennys-Gamache-Romanen, nur ein recht kleines Lichtlein der Freude, was an diesem riesenhaften weltumspannenden Terror-Plot liegt mit all seinen schmutzigen Bomben und abhandengekommenen militärischen Kampfstoffen, von denen keiner weiß, wer sie sich unter den Nagel gerissen hat. Aber es hat vielleicht einen eitlen Beigeschmack, den auch Bill Clintons Krimi-Exkurse nicht loswurden: dass hier ein Mythos von den Clintons als Retter von mindestens Amerika, wenn nicht dem ganzen Abendland befeuert wird. Und über diesen Mythos kann man ja mindestens streiten. Armand Gamache, im Vergleich zu Ellen Adams eher ein kriminalistischer Kleingärtner, taucht dann am Ende sogar auf - aber die Bedrohung, die "State of Terror" aufgebaut hat, ist so realistisch, dass auch das kein Trost ist.

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