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Berliner Theatertreffen und Mülheimer "Stücke" digital:Das Beste eines pandemischen Theaterjahres

Familienzusammenführung auf Abstand: Benjamin Lillie, Maja Beckmann, Wiebke Mollenhauer und Nils Kahnwald in "Einfach das Ende der Welt".

(Foto: Diana Pfammatter)

Die Festivals in Berlin und Mülheim zeigen bemerkenswerte Inszenierungen und Stücke. Zwar nur digital, dafür kostenlos.

Von Christine Dössel

Theaterfans werden sich entscheiden müssen. An diesem Donnerstag beginnen sowohl das 58. Berliner Theatertreffen als auch die 46. Mülheimer Theatertage, zwei der renommiertesten Festivals der Branche, beide coronabedingt in komplett digitalen Ausgaben. In Berlin werden jedes Jahr die zehn nach Ansicht einer Jury "bemerkenswertesten" Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgestellt, in Mülheim die - ebenfalls von einer Jury nominierten - sieben besten deutschsprachigen Stücke, die innerhalb eines Jahres uraufgeführt wurden. Wer wissen will, was im Auswahlzeitraum zwischen Februar 2020 und Februar 2021 im Theater als wichtig und wesentlich gilt - und das umfasst nahezu ein ganzes Jahr pandemischen Ausnahmezustands -, der bekommt hier in den nächsten zwei Wochen einen guten Ein- und Überblick. Beide Festivals stellen sämtliche Streams, auch die Begleitprogramme und Nachgespräche, kostenlos zur Verfügung.

Das Berliner Theatertreffen beginnt nach diversen Eröffnungsreden (unter anderen von Kulturstaatsministerin Monika Grütters) mit der live aus dem Schauspielhaus Zürich übertragenen Inszenierung "Einfach das Ende der Welt" von Christopher Rüping. In dem vielschichtigen Familienstück von Jean-Luc Lagarce kehrt ein todkranker, homosexueller Künstler nach Jahren in der Großstadt in die Provinz zurück. Das Mülheimer "Stücke"-Festival zeigt am Eröffnungsabend - nach Grußworten unter anderem von NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und einer dramaturgischen Stück-Einführung - "9/26 - Das Oktoberfestattentat" von Christine Umpfenbach. Die Produktion der Münchner Kammerspiele rekonstruiert den Anschlag vom 26. September 1980 aus der Opferperspektive. Die Autorin und Regisseurin hat dazu sechs Überlebende befragt und lässt deren Aussagen vom Ensemble quasidokumentarisch referieren.

Die Streams sind 30 Stunden lang online, sämtliche Texte stehen auf der Website

Es folgen bis Festivalende Stücke von Ewe Benbenek, Sibylle Berg, Rainald Goetz, Thomas Freyer, Rebekka Kricheldorf und Boris Nikitin. Die Streams sind jeweils 30 Stunden lang online, sämtliche Texte stehen während des Festivals zum Nachlesen auf der Website. Dort gibt es auch Videoporträts zu den eingeladenen Autorinnen und Autoren. Wer von ihnen den mit 15 000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikpreis gewinnt, wird sich am 29. Mai in einer öffentlich übertragenen Jury-Debatte herausstellen.

Auch beim Berliner Theatertreffen gibt es neben den zehn ausgewählten Best-of-Inszierungen traditionell einen Stückemarkt. Er ist inzwischen international und präsentiert fünf Arbeiten als Performances und szenische Lesungen. Außerdem im Programm: der digitale Showcase "Stages Unboxed" mit richtungsweisenden theatralischen Digitalformaten, die in den vergangenen Monaten entstanden sind; Diskussionen zu Machtfragen, Verantwortung und Gender-Perspektiven im Theater sowie ein Schwerpunkt zum legendären New Yorker Living Theatre anlässlich dessen siebzigjährigen Bestehens. Auch die (nachgeholte) Verleihung des Berliner Theaterpreises 2020 an die ja ohnehin preiswürdige Schauspielerin Sandra Hüller wird am Sonntagnachmittag live aus dem Festivalzentrum, dem Haus der Berliner Festspiele, gestreamt. Von der "Kraft" und dem "Geheimnis" ihres Spiels ist in der Jurybegründung die Rede. Wäre schön, wenn diese Attribute für das gesamte Festival gelten könnten: Kraft, Geheimnis, Spiel.

© SZ/clu
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