Theaterstück über Donald Trump Und Miss Piggy weint Blut

Die Schauspielerin Marija Dakić liest im New Yorker Segal Theatre aus "Am Königsweg", dem neuen Stück von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek über US-Präsident Donald Trump.

(Foto: dpa)

Ein blinder König, der in Tweets regiert und sich nicht um Vergangenheit oder Zukunft schert: Elfriede Jelinek hat ein Theaterstück über Donald Trump geschrieben. Die Lesung in New York bleibt rätselhaft.

Von Johanna Bruckner, New York

Eine Lesung aus dem neuen Trump-Theaterstück von Elfriede Jelinek in New York - das bedarf einer Erklärung. Denn das Martin E. Segal Theatre auf der Fifth Avenue mag als Ort dieser Weltpremiere hochsymbolisch sein, weil es nur wenige hundert Meter vom Trump-Tower entfernt ist. Aber es besteht eben auch die Gefahr, dass nicht jeder Zuschauer vertraut ist mit dem Œuvre der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin.

Also gibt Übersetzerin Gitta Honegger eine kurze Einleitung zur Autorin: Jelinek sei bekannt für ihre sehr langen Stücke und sie sei sehr großzügig mit ihren Werken. Der Zuhörer dürfe also davon ausgehen, dass Jelinek nichts dagegen habe, dass ihre 92-seitige Originalfassung von "Auf dem Königsweg" für diese Lesung auf 16 Seiten gekürzt wurde. Und Honegger erklärt noch etwas: Jelinek leide unter einer Angststörung, die es ihr nicht erlaube, größere Reisen zu unternehmen, aber sie folge in ihrer Wohnung in Wien dem politischen Geschehen in Amerika.

Jelinek verachtet Trump, seine Frisur, seine Gier, seine intellektuellen Defizite

Dass Donald Trump Präsident wurde, bewegt die 70-Jährige, in deren Werken die Nazi-Diktatur ständiger Referenzrahmen ist. An ihrem jüngsten Stück hat sie noch in der Wahlnacht im November zu schreiben begonnen. Trump ist darin ein blinder König, der sich nicht um Vergangenheit oder Zukunft schert, sondern die Gegenwart in kurzen Tweets regiert. Auf dem Plakat für den Abend ist Miss Piggy aus der Muppet Show zu sehen, die rosafarbene Plüschfigur weint Blut.

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Worum es in Jelinek im Einzelnen geht, wird sich erst nach der Uraufführung ihres Stücks am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg im Herbst sagen lassen - die Kürzungen in der englischen Version mögen pragmatisch sein, dem Verständnis des Stücks sind sie aber eher abträglich. Eines wird aber sehr deutlich: Jelinek verachtet Trump, angefangen von seiner Frisur über seine Gier - nach mehr Häusern, nach mehr Macht - bis hin zu seinen intellektuellen Defiziten. "Wie soll man Dummheit erfassen?", fragte sie jüngst in einem Interview.

Aber die Autorin nimmt auch die Wähler, das Volk nicht von der Kritik aus. Schließlich habe es den König gewählt - warum, wisse es nun selbst nicht mehr. "Wer sind wir eigentlich?", fragt Schauspielerin Marija Dakić, die das Skript liest. Miss Piggy übrigens spielt hier die Beobachterin mit schriller Stimme, deren Einschätzungen zur Regentschaft des Königs mal beißende Urteile sind, mal dümmliches Palaver.

In der naiv-narzisstischen Kinderfigur mit der lächerlichen Perücke stecke sicher ein Stück Trump, sagt Honegger am Ende des Abends - aber auch Jelinek selbst finde sich in Miss Piggy wieder. Die Autorin wisse sehr wohl um ihren verengten Blick als Künstlerin, die der amerikanischen Politik allein über die Medien folge. Frank Hentschker, Direktor am Segal Theatre, sieht gar eine Parallele zu Trump: Der sitze schließlich auch allabendlich im Weißen Haus alleine vor den Fernsehnachrichten - das sei doch ein erheiternder Gedanke bei aller Schwere.

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