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Theater - Zwickau:Puppentheater inszeniert Balladen in virtuellen Welten

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Zwickau (dpa/sn) - Für eine Inszenierung deutscher Balladen tauscht das Zwickauer Puppentheater die herkömmliche Bühne gegen virtuelle Welten. Denn bei dem Projekt "360 Grad Virtual Puppetry" können die Zuschauer mittels VR-Technik zu Hause ins Geschehen eintauchen. Das spielt sich dann 360 Grad um sie herum ab. Den Auftakt macht Goethes "Erlkönig" - im November oder Dezember soll die Produktion Premiere feiern, hieß es am Freitag bei der Vorstellung eines Teasers hierzu. Als weitere Inszenierungen sind die Balladen "Die Goldgräber" von Emanuel Geibel und Georg Trakls "Melusine" geplant.

"Das ist unser Corona-Baby", sagte Direktorin Monika Gerboc, die die Regie übernommen hat. Es gehe nicht darum, Stücke von der Bühne einfach zu streamen. Vielmehr solle die Emotionalität und Erzählkunst des Figurentheaters in die virtuelle Realität übertragen und die Ästhetik von Film, Computerspiel und Theater zusammengebracht werden. "Es ist eine komplett neue Art des Erzählens."

Denkbar sei, dass Zuschauer sich in künftigen Inszenierungen durch das Geschehen bewegen oder Einfluss auf dessen Verlauf nehmen können, erklärte Gerboc. Mit den Balladen verbinden die Theaterleute zugleich einen Bildungsauftrag. So sei es Schulen möglich, diese Art der Literatur im Unterricht für die Schüler zu einem Erlebnis zu machen.

Das Figurentheater sieht sich mit dem Projekt als Vorreiter seines Genres in Deutschland. Mit der Idee dazu hatten die Zwickauer voriges Jahr beim Wettbewerb "Denkzeit Event" von Sachsens Kulturministerium überzeugt und ein Preisgeld von 50 000 Euro errungen. Das Vorhaben wird von der Westsächsischen Hochschule begleitet. Ziel sei es dabei, was technisch möglich und sinnvoll sei mit dem künstlerischen Know-how zusammenzubringen, erklärte der Professor für Informatik und intelligente System, Sven Hellbach.

Die Inszenierungen richten sich laut Gerboc an ein Publikum ab 13 Jahren und dauern nicht länger als 15 bis 20 Minuten. Mit dem Ticket können Interessierte eine VR-Brille leihen, die ihnen nach Hause geliefert wird. Sie hofft, mit dem Projekt neue Zuschauergruppen für das Figurentheater gewinnen zu können, die sonst nicht oder nur selten den Weg ins Theater finden. Das heiße aber nicht, dass künftig nur noch für die virtuelle Realität inszeniert werde, versicherte Gerboc. Beabsichtigt sei vielmehr, diesen Bereich parallel zur bisherigen Puppentheater-Arbeit zu etablieren.

© dpa-infocom, dpa:210618-99-46997/4

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