Residenztheater München:Revolution, bitte!

Lesezeit: 4 min

Marat/Sade Residenztheater

Zeugen der Ermordung von Jean Paul Marat: Pauline Fusban, Joachim Nimtz und Götz Schulte.

(Foto: Matthias Horn)

Tina Lanik inszeniert zum Spielzeitauftakt am Münchner Residenztheater das Revolutionsdrama. "Marat /Sade" von Peter Weiss. Da darf auch das Publikum kurz mal laut werden.

Von Anton Rainer

So sehen sie also aus, die letzten Tage eines Revolutionärs. Im Blut planschend, japsend und keuchend sitzt der große Jean Paul Marat in seiner Badewanne und lässt den roten Saft schwappen. Literweise kippt das Blut auf Kleidung und Möbel, färbt die Trikolore, zeichnet, weil sogar die Schreibfeder noch kräftig eingetunkt wird, jede Flugschrift, die der von Hautausschlägen Gepeinigte verfasst. Marat signiert Todesurteile, für ein paar tausend Konterrevolutionäre zuerst, dann für Zehntausende, Hunderttausende, Verräter überall, das Massaker scheint gar nicht mehr aufzuhalten zu sein. Nicht von seiner Frau Simonne, die ihm aus tönernen Krügen beständig neues Blut nachschenkt, während draußen Leichen brennen. Nicht vom Volk, dem das Rattern der Guillotinen noch immer keinen Wohlstand gebracht hat. Und schon gar nicht von ihm selbst: Marat kratzt, wo es juckt - und es juckt ihn in den Fingern.

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