Theater Paare, Migranten

Cross-Gender-Wust: "Meteoriten" am Berliner Gorki Theater verheckselt fleißig Versatzstücke - schafft damit aber weder Figuren noch eine Geschichte und erst recht kein Theaterstück, sondern nur ein Pappkameraden-Potpourri.

Von Peter Laudenbach

Am Berliner Maxim Gorki Theater verheddern sich wieder mal paarungsbereite Großstädter in ihren Gefühlen, diesmal in der Uraufführung des Stückes "Meteoriten" von Sasha Marianna Salzmann. Damit das etwas interessanter und politischer als eine Beziehungskomödie im Vorabendfernsehen wirkt, beschert ihnen die Dramatikerin interessante Herkunftsländer (Syrien! Israel! Russland!) und variantenreiche sexuelle Orientierungen (Schwule! Lesben! Transgender!). Cato (Mareike Beykirch) ist mit Üzüm (Thelma Buabeng) zusammen, eigentlich wäre sie lieber ein Mann, aber ihre Hormonbehandlung bekommt ihrer Beziehung gar nicht gut. Der Israeli Udi (Thomas Wodianka) liebt den Syrer Roy (Mehmet Atesci), und weil jüdisch-arabische und dazu noch schwule Paare in Berlin sehr in Mode sind, beweisen die beiden damit auf jeden Fall Trendbewusstsein. Nebenbei flirtet Roy mit Serösha (Dimitrij Schaad), der zwar nicht schwul ist, sich aber gerne anbaggern lässt. Damit auch er etwas zu erzählen hat, ist er Russe und hat einen Vater, der Offizier in der russischen Armee war und an Aids gestorben ist.

Leider entstehen aus diesen Versatzstücken weder Figuren noch eine Geschichte und erst recht kein Theaterstück, sondern nur ein Pappkameraden-Potpourri. Weil hier sämtliche Identitätskonstruktionen variabel sind, vielleicht auch nur zwecks kulturhistorischer Aufwertung und bildungsbürgerlicher Referenzrahmenerweiterung, sind den Beziehungs-, Selbstfindungs- und Geschlechterwirrnissen locker umgedichtete Passagen aus Ovids "Metamorphosen" zwischengeschaltet, aber auch das kann den von Hakan Savaș Mican redlich inszenierten Abend nicht retten.