Theater Nur Luft und Liebe

Das ungleiche Paar einer "Sommernacht" im Hofspielhaus: Laura Cuenca Serrano und Ferdinand Schmidt-Modrow.

(Foto: Franz Kimmel)

Das Hofspielhaus eröffnet seine Open-Air-Bühne mit Leni Brems Inszenierung "Eine Sommernacht" - eine skurrile, etwas klischeehafte Komödie über eine Businessfrau, die mit einem Kleinkriminellen durchbrennt

Von Jennifer Gaschler

Es könnte so schön sein: Die winzige Hinterhof-Bühne des Hofspielhauses schafft Wohnzimmeratmosphäre, der Sommerabend ist lau, die Schauspieler sind zum Greifen nah und die Stimmung gleicht der einer Cocktailbar. Auch die Darsteller des Zwei-Personenstücks, Laura Cuenca Serrano und Ferdinand Schmidt-Modrow, sind in ihrem Spiel frisch, energetisch und sehr bühnenpräsent. Wenn da nicht der Stoff des schottischen Dramatikers David Greig wäre, dessen "Sommernacht" eher ein Drehbuch für eine platte Hollywood-Komödie denn ein "Stück mit Musik" ist. Zwar baut er genre-ironisierende Passagen mit ein, kommt aber nicht über ein Boulevardstück hinaus.

Helena, eine neureiche Scheidungsanwältin, trifft darin auf den kleinkriminellen Bob, der gerade 15 000 Pfund Schwarzgeld in der Tasche hat und aus der Not heraus beschließt, diese mit ihr zu verprassen. Natürlich gelangen die beiden frustrierten Mittdreißiger dabei in skurrile Situationen, selbstverständlich ist hier auch Liebe im Spiel, solche Handlungskurven sind hinlänglich bekannt. Das Stück passt aber sehr gut auf die winzige Freiluft-Bühne des Hofspielhauses mit ihren sehr begrenzten Möglichkeiten, denn es kann nur funktionieren, indem man es verfremdet.

Kulissen sind in der Inszenierung von Leni Brem überhaupt nicht vorhanden, Requisiten und Instrumente werden multifunktionell eingesetzt: Tröten und Holzkästen müssen als Zigarren, Betten oder Autos herhalten. Für Illusionismus ist kein Platz und flexible Beleuchtung raumtechnisch nicht möglich. Kaum eine Szene wird dramatisch ausgespielt, die Rollen in Windeseile getauscht, die Darstellungen von Cuenca Serrano und Schmidt-Modrow triefen vor Ironie. Genau dadurch entsteht tatsächlich eine dynamische, mitunter sehr humoristische Komödie. Ein schönes, sommerliches Alternativprogramm zu Oper, Kammerspielen und Residenztheater, die gleich um die Ecke liegen.

Als "anarchisches Wohlfühltheater" eröffnete Christiane Brammer vergangenen Herbst das Hofspielhaus, vor allem das mit dem Wohlfühlen gelingt mit einer "Sommernacht". Die Zeitbrüche und -sprünge, die immerhin bereits der Dramatiker anlegte, machen die Sommerkomödie zu einer rasanten Rallye durch Edinburgh. Die Protagonisten, die kurz vor der Midlife-Crisis stehen, werden zu Erzählern ihrer eigenen Geschichte. Dabei gehen sie nicht gerade zimperlich mit ihrem Gegenüber um, belächeln und korrigieren die geschönten Selbstbilder. Cuenca Serrano und Schmidt-Modrow sind ein schönes Bühnenpaar, fast ein wenig schade, dass sie keine Gelegenheit zum dramatischen Spiel bekommen. Bisweilen tappt die Inszenierung dagegen in die Klischee-Falle, etwa als Bob einen tiefsinnigen Dialog mit seinem Penis führt, der mit türkischem Akzent antwortet. Grandios lustig ist dagegen etwa der One-Night-Stand, ein verkünsteltes Bettlaken-Gehopse, bei dem Bob und Helena das Publikum an ihren Sex-Gedanken teilhaben lassen. Solche Szenen entlarven auf amüsante Weise die bisweilen lächerlichen Anstrengungen bei der Partnersuche. So entsteht dann doch eine Sommersatire, die über Sinn und Unsinn der Liebe nachdenken lässt.

Eine Sommernacht, nächster Termin 24. Juli, 20 Uhr, Hofspielhaus, www.hofspielhaus.de