Theater Kampfloses K. o.

Vielleicht könnte Dörte Lyssewski als Barbara Bruckner diesem verunglückten Mephisto (Nicholas Ofczarek) zeigen wo’s langgeht.

(Foto: Reinhard Werner/Burgtheater)

Das Wiener Burgtheater eröffnet die Spielzeit mit "Mephisto" - ein Stück, das an dem Haus lange gemieden wurde. Mit gutem Grund, wie diese Inszenierung beweist.

Von Wolfgang Kralicek

Klaus Manns Schlüsselroman "Mephisto" von 1936 erzählt die kaum verschlüsselte Geschichte des deutschen Schauspielers und Regisseurs Hendrik Höfgen alias Gustaf Gründgens, der erst als Mephisto gefeiert wurde und im Nationalsozialismus dann selbst einen Teufelspakt einging: Er arrangierte sich mit dem Regime, um Karriere zu machen. Literarisch ist der Roman kein Meisterwerk, aber das Thema und die Bombenrolle machen ihn für das Theater enorm attraktiv; unzählige Male wurde er schon auf die Bühne gebracht. Dafür, dass er im Wiener Burgtheater erst jetzt auf dem Spielplan steht, ist ausgerechnet ein Burgschauspieler verantwortlich: Klaus Maria Brandauer war 1981 in István Szábos Verfilmung so gut, dass bisher niemand wagte, sich mit ihm zu messen.

37 Jahre danach eröffnete das Burgtheater nun mit "Mephisto" die Saison, und mit Nicholas Ofczarek spielte ein Schauspieler die Hauptrolle, dem durchaus zuzutrauen wäre, gegen Brandauer zu bestehen. Dass daraus nichts wurde, ist dem Regisseur Bastian Kraft zuzuschreiben, der ein paar krasse Fehlentscheidungen getroffen hat.

Erstens greift er auf eine denkbar biedere, langweilige Form von Dramatisierung zurück: Der Autor selbst tritt als Erzähler auf. Zweitens lässt er den Hauptdarsteller nie sein Gesicht zeigen: Die erste Hälfte absolviert Ofczarek in der klassischen Mephisto-Schminke, nach der Pause tritt er mit einer bizarren Latexmaske auf, und wenn er diese endlich abnimmt, kommt darunter eine Clownsfratze zum Vorschein. Dass sich hinter der Maske des Schauspielers wieder nur eine Maske befindet, ist natürlich Konzept. Aber dieses Konzept behindert mehr, als es ermöglicht. Der lange Abend enthält außerdem die schlechteste Hitler-Parodie (Sylvie Rohrer) seit Beginn der Aufzeichnungen. Klaus Maria Brandauer, bei der Premiere übrigens anwesend, hat seinen Titel als bester Mephisto von Wien kampflos verteidigt.