Wie kann das Theater eine komplizierte Wirklichkeit auf die Bühne holen? Und wie kommt es dabei gegen die Spektakel des Populismus an, die greller und schamloser sind als jede Castorf-Inszenierung? Einige Theater versuchen es mit etwas Altmodischem: Fakten. Das Schauspiel Köln startet gemeinsam mit acht anderen europäischen Bühnen für zwei Jahre ein groß angelegtes Programm, „Truth on Stage – Stories, Journalism, Theatre“ (TRUST). Ziel ist es, das Theater mit journalistischen Recherchen zu verbinden, um Licht in die gesellschaftlichen Verhältnisse zu bringen. Die EU finanziert das Projekt mit einer Million Euro. Damit setzen die neun Bühnen aus Bulgarien, Tschechien, Portugal, Frankreich, Ungarn, Schweden, den Niederlanden und Deutschland eine Tradition des politischen Theaters fort. Seit den 1960er-Jahren arbeitet das dokumentarische Theater mit Real-Material, so griff etwa der Dramatiker Peter Weiss in seinem Stück „Die Ermittlung“ (1965) auf die Gerichtsprotokolle des Frankfurter Auschwitz-Prozesses zurück. Der Kölner Intendant Kay Voges ist einer der Initiatoren des europäischen Projekts eines investigativen Theaters. Der Regisseur arbeitet schon länger mit journalistischen Theaterformaten, zum Beispiel vor zwei Jahren am Berliner Ensemble mit seiner szenischen Adaption der Correctiv-Recherche zum Potsdamer Treffen rechter Aktivisten („Geheimplan gegen Deutschland“).
Theater„Wenn die Lüge Konjunktur hat, ist das auch eine Form von Opposition“
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Investigativer Journalismus und Theater – geht das zusammen? Ein Gespräch mit Kay Voges vom Schauspiel Köln über das Programm „Truth on Stage“, in dem neun europäische Bühnen versuchen, der politischen Wirklichkeit mit Fakten beizukommen.
Interview von Peter Laudenbach
