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Theater in der Josefstadt:Offenes Messer

Ibsens Stück "Rosmersholm" ist ein bisschen seltsam. Also hat es Ulf Stengl für eine Inszenierung von Elmar Goerden modern überschrieben und auf die Neue Rechte getrimmt. So ähnlich, wie Simon Stone das immer tut. Nur kann der es besser.

Dass Henrik Ibsens Drama "Rosmersholm" nicht so populär ist wie "Nora" oder "Die Wildente", hat einen einfachen Grund: Das Stück ist etwas seltsam. Der vom Glauben abgefallene Ex-Pfarrer Johannes Rosmer lebt seit dem Freitod seiner Frau mit seiner platonischen Freundin Rebekka West zusammen. Unter deren Einfluss beginnt Rosmer sich für liberale Gedanken zu begeistern - was in seinem konservativen Umfeld Skandal macht. Im Kern aber erzählt das Drama von einer verkorksten Liebe, die letztlich nur im Tod Erfüllung findet: Am Ende begehen Rosmer und Rebekka gemeinsam Suizid.

Im Wiener Theater in der Josefstadt steht das selten gespielte Stück jetzt auf dem Spielplan. Allerdings hat Ulf Stengl für Elmar Goerdens "Rosmersholm"-Inszenierung eine recht radikale Neufassung geschrieben. Der Autor, ein gelernter Bühnenbildner, dampft das Stück auf drei Personen und zwei kurze Akte ein, er verschärft den Tonfall ("Fick dich!") und dreht an allen möglichen Schrauben. Politisch ist Rosmer (Herbert Föttinger) hier in der Gegenrichtung unterwegs; der einst linksliberale Geisteswissenschaftler hat auf einer rechtsextremen Website gerade einen Artikel à la Thilo Sarrazin veröffentlicht. Sein Schwager (Joseph Lorenz) nimmt den Text so gründlich auseinander, dass der erstaunlich einsichtige Autor beschließt, ihn wieder vom Netz zu nehmen.

Nach der Pause kommt es zum intimen Showdown zwischen Rosmer und Rebekka (Katharina Klar), die viel jünger und aggressiver angelegt ist als bei Ibsen - eine Frau wie ein offenes Messer. Jetzt tun sich Abgründe auf, einer nach dem anderen. Aber es hilft nichts: Zu unplausibel sind Stück und Figuren konstruiert, zu papieren die Dialoge, um sie ernst nehmen zu können. Goerden und Stengl wollten ein altes Stück neu schreiben, so wie der Australier Simon Stone dies mit großem Erfolg praktiziert. Sie hatten auch ein paar gute Ideen, am Ende aber beweisen sie nur, dass der Trick bei Weitem nicht so leicht ist, wie es bei Stone aussieht.