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Theater:Hauptsache Spaß

Die drei Musketiere

Sehen so Helden aus? Michael Wächter, Max Rothbart, Vincent Glander, Nicola Mastroberardino (von links) interpretieren die Figuren aus Alexandre Dumas' Roman auf ihre Weise.

(Foto: Sandra Then)

Die schamlos albernen "Die drei Musketiere" am Residenztheater hat der neue Intendant Andreas Beck aus Basel mitgebracht

Zur Einstimmung begrüßen uns die Musketiere mit "Yuppi du", tröten und singen sie Adriano Celentanos Hit auf Englisch. Nein, Helden sind sie keine. Dafür entpuppen sich d'Artagnan und seine Freunde im Cuvilliéstheater als hinreißende Komödianten. In einem gelb und drei hellblau harlekinesk gemusterten Anzügen toben und tollen sie mit atemberaubender Energie und Spiellust zwei Stunden lang ohne Pause über die leere Bühne. Sie blödeln, juxen und grimassieren, hüpfen auf einem Bein, stampfen und schleudern "Un, deux, trois, boum!" imaginäre Wurfgeschosse durch die Luft.

Mit "Die drei Musketiere" eröffnet der neue Resi-Intendant Andreas Beck seinen Reigen von Übernahmen aus Basel, wo Antonio Latellas Inszenierung zum Publikumshit wurde. Im Zentrum der völlig freien Adaption von Alexandre Dumas' Abenteuerroman steht die Frage, die man sich schon als Kind gestellt hat: Warum heißt es "Die drei Musketiere", wenn es doch eigentlich vier sind? "Pourquoi, Dumas?" stöhnt d'Artagnan dramatisch auf die Knie fallend und sich am Boden wälzend. Von wegen unzertrennliche Buddies. Vor und zurück flitzend demonstrieren d'Artagnan (Nicola Mastroberardino), Athos (Michael Wächter), Porthos (Max Rothbart - künftig alternierend mit Elias Eilinghoff) und Aramis (Vincent Glander) immer neue Koalitionen bildend das Wechselspiel zwischen dem freiwilligen und zwangsweisen Ausschluss Einzelner, dem Bedürfnis nach Alleinsein und Gemeinschaft.

Der italienische Regisseur verzwirbelt den Stoff intelligent ironisch, nimmt die saudumme Duellwut und Rachepflicht auf die Schippe und hinterfragt den berühmten Schwur "Einer für alle, alle für einen". Dabei lässt er seine Schauspieler schamlos albern sein und hemmungslos kalauern. Jeder mimt neben einem Musketier auch noch dessen Diener und Pferd. Sie wiehern, traben, galoppieren und präsentieren in einer herrlich komischen Nummer zum "Radetzky-Marsch" die Hohe Schule des Dressurreitens. D'Artagnan, der so prächtig die Pferdelippen aufwerfen kann, zerbricht - "Klirr!" - die vierte Wand, springt ins Publikum und persifliert sich durch die Reihen quasselnd und quetschend "das partizipative Theater". "Ich bin mein eigener Dramaturg!" verkündet Athos und schwingt sich zum tyrannischen Chef auf.

Immer wieder macht Latella das Theater selbst zum Thema, und ein paar der vielen Dramaturgenwitze hätte er sich sparen können. Zwischendurch wird die Romanhandlung heruntergerasselt, die man entweder schon kennt oder hier garantiert nicht versteht. Es gibt kleine Längen, aber sei's drum. Dieser Abend, an dem natürlich irgendwann auch die Degen klirren, ist ein Riesenspaß. Nachdem die Musketiere ungeniert frauenfeindlich über Lady de Winter geschimpft haben, flötet einer kummervoll "Senza una Donna" und stimmen sie ein köstliches Medley aus italienischen Schlagern an. Am Ende werden die vier begeistert gefeiert, und wenn sie fragen "Wollt ihr noch mal den Radetzky-Marsch?", ruft der ganze Saal: "Ja!"

Die drei Musketiere, nächster Termin: Samstag, 26. Oktober, 19.30 Uhr, Cuvilliéstheater