Theater Hamlet

(Foto: Schauspiel Dresden)

Von Cornelius Pollmer

Die Dresdner haben vor einigen Jahren ihr Theater nicht nur wiederentdeckt, sie haben sich neu und stürmisch verliebt. Der bislang größte Ausweis dieser Liebe ist am Neujahrstag mit Wehmut verklungen: Der "Hamlet" zieht um, von Dresden nach Düsseldorf. Für Treue und Liebe bedankte sich Hauptdarsteller Christian Friedel am letzten Abend. Susann Dulig, die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers, berichtete im Foyer, es sei bereits ihr achter Besuch, andere "Hamlet"-Ultras bringen es auf mehr als 40. In Summe kamen zu 100 Vorstellungen in Dresden und acht Gastspielen 69 285 Zuschauer. Und selten sah man im Theater so viele junge Menschen sitzen wie zu dieser Gelegenheit. Nach dem letzten Vorhang lagen sich fast schluchzende Schülerinnen in den Armen. "Ich hasse Abschiede", sagte eine Milena zu einer Friederike. Da glühten noch die Knicklichter, die im Publikum beim Applaus als Schwenkfeuer loderten und da war das selbstgemalte Banner gerade eingerollt, das vom ersten Rang aus dem Ensemble dankte: "Thx 4 all Hamlet".

Durchaus eine Aufgabe für dieses Ensemble: Dass der "Hamlet" ein Ereignis blieb, ohne zum Event zu verkommen. "Bin ich 'ne Memme?", fragt dieser Hamlet im Stück und es gab, sagt Christian Friedel, "so einen Moment, da habe ich das gar nicht mehr ins Publikum gefragt, weil es sich so anfühlte wie bei der 'Rocky Horror Picture Show' kurz bevor das Klopapier fliegt." Noch wesentlicher aber sei es gewesen, die wachsende Tiefe des eigenen Zugangs zum Stück zu erleben. Beispielhaft erfahren habe er das in der Frage nach Sein und Nichtsein: "Am Anfang war dieser Monolog einfach so ein weiterer Hit, der im Stück neben den Songs steht, die wir mit meiner Band Woods of Birnam spielen."

Während der sechs Jahre aber, die Hamlet am Dresdner Staatsschauspiel gelaufen ist, starb die Mutter von Friedel. Der erste Auftritt danach, sagt Friedel, "war sehr heftig, weil sich Hamlets Abschied von seinem Vater verbunden hat mit meinem Abschied von meiner Mutter. Sie war ein riesiger Fan der Inszenierung und seitdem war diese Vorstellung anders." Sie wird wieder etwas anders sein in Düsseldorf. Die Premiere dort ist am 16. Februar.