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Theater - Gotha:Stiftung will Mimen Ekhof stärker in Fokus nehmen

Deutschland
Ein Kulissenschieber arbeitet im Ekhof-Theater auf Schloss Friedenstein. Foto: Jens Kalaene/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Gotha (dpa) - Einer der wichtigsten Persönlichkeiten in der deutschen Theatergeschichte will die Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha mehr Raum geben. "Es gibt Überlegungen, das Ekhof-Festival langfristig etwas neu aufzustellen", sagte der Pressesprecher der Stiftung, Marco Karthe, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es auch darum, den Geist Conrad Ekhofs (1720-1778) stärker zu berücksichtigen. Er gilt als "Vater der deutschen Schauspielkunst", auch das Theater auf Schloss Friedenstein ist nach ihm benannt.

Vorstellbar sei, das Festival mehr in die Stadt zu holen, für Proben etwa. Zudem könne es zeitlich ausgedehnt werden, so Karthe. Bislang konzentriert es sich auf Juli und August. Denkbar sei etwa ein Zeitraum von Mai bis Oktober. Doch zuerst gehe es darum, die Vorhaben nachzuholen, die zum 300. Geburtstags Ekhofs (12. August) dieses Jahr geplant und wegen der Corona-Pandemie ausgefallen waren. Konzerte, Vorträge, aber eben auch das Ekhof-Festival gehören dazu.

Letzteres sollte in diesem Jahr eigentlich die Tragödie "Zaïre" auf die einzigartige Bühne des Theaters im Schloss Friedenstein bringen. Mit der Tragödie des französischen Dramatikers Voltaire wurde 1775 das Gothaer Hoftheater unter Ekhof eröffnet. Er selbst spielte damals die Hauptrolle.

Das Theater ist im Westturm des Schlosses untergebracht. 165 Zuschauerplätze gibt es. Es ist eines der wenigen barocken Theater der Welt mit noch existierender Bühnenmaschinerie: Beim Festival müssen Kulissenschieber ordentlich mit anpacken, um die Bühnenbilder in Windeseile den Szenen anzupassen.

Die grundsätzliche Herausforderung: "Wir bespielen bei dem Festival ein Museum, ein Ausstellungsstück", erklärt Karthe. Es gelte das Theater zu bewahren, es aber auch zu präsentieren. Inzwischen können Besucher das Theater nach dem Corona-Lockdown wieder besichtigen - unabhängig vom Festival. Auch Führungen werden wieder angeboten.

Ende dieses, spätestens Anfang kommenden Jahres soll es zudem eine neue Ausstellung gebe, bei der Besucher per Virtual Reality-Brille etwa Proben von Ekhof und seiner Gruppe erleben können. Dreharbeiten dafür sollen möglichst bald starten, so Karthe. Unbeachtet soll der 12. August in diesem Jahr aber trotzdem nicht bleiben. Zumindest eine kleinere Veranstaltung im Schlosspark unfern vom Theater ist Karthe zufolge geplant.

Der gebürtige Hamburger Ekhof kam 1774 über Weimar nach Gotha. Mit seinem Namen ist die Entwicklung der realistischen Schauspielkunst verbunden, aber auch die Errungenschaft, die mit der Anerkennung der Schauspielerei als Beruf einherging.

"Er stand am Anfang einer Veränderung im Schauspielwesen, war sehr ideenreich und innovativ gewesen", erklärte Karthe. Er habe etwa die Idee angestoßen, dass ein Schauspieler aus seinem Inneren heraus und im Zusammenspiel mit anderen eine Rolle entwickelt.

Auch die Idee, für eine Rolle in ein Kostüm zu schlüpfen, statt Alltagskleidung zu tragen, habe Ekhof früh vertreten. "Ein Bettler sollte aussehen wie ein Bettler, ein Edelmann wie ein Edelmann", so Karthe. Dass Darsteller ihre Sprache und ihre Mimik schulen sollten, auch das sei eine Vorstellung Ekhofs gewesen - sein Meisterschüler August Wilhelm Iffland setzte vieles davon um und wurde ein Bühnenstar seiner Zeit.

Ekhof stieß aber auch noch ganz praktische Veränderungen für Schauspieler an: Kein Umherziehen mehr als Wanderkomödianten, sondern Festanstellungen und Pensionskassen etwa. "Sehr moderne Ansätze für die damalige Zeit", so Karthe.

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