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Theater - Görlitz:Görlitzer Landrat: "Will keinen Theater-Standort schließen"

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Das Gerhart-Hauptmann-Theater. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild (Foto: dpa)

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Görlitz (dpa/sn) - Ein externes Gutachten zu den Theatern im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien sorgt für Unruhe an der Neiße. Das Papier enthält neben der aktuellen Bestandsaufnahme vor allem mögliche Einsparszenarien für die Bühnen in Görlitz, Bautzen und Zittau, darunter die Fusionierung der Orchester des Sorbischen National-Ensembles und der Neuen Lausitzer Philharmonie, der Schauspielsparten in Bautzen und Zittau - und das Aus des Musik-Ensembles in Görlitz. Dort bliebe ein Theaterhaus nur noch für eingekaufte Inszenierungen.

Bis jetzt handelt es sich bei dem Gutachten - initiiert von Stadt und Landkreis Görlitz und vom Kulturraum in Auftrag gegeben - nur um eine Diskussionsgrundlage. "Ich will keinen Theater-Standort schließen - weder Görlitz noch Zittau. Wir wollen die Vielfalt erhalten", sagt der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU). Das Papier zeige jedoch mehrere Hebel für notwendige Strukturveränderungen auf, denn das Finanzierungsloch kommt mit Ansage. Dem Gerhard-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau (GHT) droht ein Tarifaufwuchs von 1,6 Millionen Euro. "Wenn wir das ignorieren, fahren wir voll gegen die Wand. Selbst mit der Verlängerung des Kulturpakts in Sachsen über das Jahr 2022 hinaus, müssen wir über notwendige Strukturveränderungen reden", sagt Lange.

Jene Mittel aus dem Freistaat gaben Theatern und Orchestern ab 2019 die Möglichkeit, ihre Haustarifverträge zu beenden. Die Rechtsträger könnten Strukturveränderungen einleiten, die Finanzierung neu ordnen oder andere Maßnahmen treffen, um die Existenz ihrer Häuser zu sichern. Ein Problem, das auch der Görlitzer Kulturbürgermeister Michael Wieler kennt. "Wir stellen das Musiktheater keinesfalls in Frage, die Städte Görlitz und Zittau haben ein Vetorecht", sagt er. Gerade in Zeiten des Strukturwandels dürfe doch nicht die Attraktivität des Standorts geschwächt werden. "Es gibt positive Entwicklungen, große Forschungsinstitute kommen an die Neiße."

Für den neuen GHT-Intendanten ist die "Zeit der großen Konglomerate vorbei, kleine, agile Einheiten vor Ort sind erfolgversprechend", sagt Daniel Morgenroth. Er sieht, von großen inhaltlichen Vorbehalten abgesehen, keine signifikanten Ersparnisse in den vorgeschlagenen Varianten, aber auch: Ein Theater müsse in der Stadt verwurzelt, mit Ensemble und Mitarbeitern präsent und aktiv sein. "Ein reines Bespielhaus ist blutleer und wird nicht geliebt werden."

Morgenroth fordert die Landesregierung auf, den Kulturpakt ab 2023 zu erhalten und zu dynamisieren. Auch der Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker (parteilos) will eine mit der Kostenentwicklung einhergehende Unterstützung des Freistaates. Die Stadt ist die dritte GHT-Gesellschafterin. Die Millionen, die beim Auslaufen des Kulturpakts nötig würden, hätten alle nicht. "Die aktuelle Finanzsituation ist besorgniserregend."

Die Görlitzer Landtagsabgeordnete Franziska Schubert (Grüne) verweist auf den Koalitionsvertrag, nach dem der Kulturpakt fortgeschrieben werden soll. "Das muss kommen." Er garantiert Theatern und Orchestern derzeit landesweit jährlich sieben Millionen Euro. Die würden zwar von Kommunen und Kulturräumen getragen, der Freistaat habe aber über die Kulturraummittel Einfluss auf die Finanzierbarkeit. Veränderungen führten immer zu Fragen und Ängsten, sagt der Bautzener Landrat Michael Harig. Letztlich stünden Städte, Gemeinden und Landkreise vor der Frage, wie sie ihre Aufgaben künftig dauerhaft finanzieren könnten.

Aus diesem Grund will sich Landrat Lange nicht allein auf den Ruf an die Landesregierung verlassen. "Wir müssen gemeinsam um Lösungsansätze für Strukturveränderungen ringen", sagt er. Das Gutachten soll nun einer neuen Arbeitsgruppe aus Landkreis, Intendanz, Aufsichtsrat und jeweils einem Vertretern der Görlitzer Kreistagsfraktionen als Grundlage dienen, um bis Ende des Jahres ein Konzept für den Erhalt der Theater unter den drohenden Mehrausgaben nach 2023 zu erarbeiten.

© dpa-infocom, dpa:210503-99-443720/5

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