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Deutsche Theaterbühnen:Wo die wilden Kerle lohnen

Und wieder kostet es so unendlich viel Kraft, überhaupt zu reden, und dann auch noch miteinander. Der wieder aktuelle Anton Tschechow in einer Szene aus den Basler „Drei Schwestern“ von Simon Stone.

(Foto: Sandra Then)

Tschechow, Ibsen, Strindberg und Hauptmann feiern Renaissance in den Spielplänen deutscher Theater. Man liebt plötzlich ihre Charakterstudien und Psycho-Dialoge wieder. Warum nur?

Drei Jahre nach der Jahrhundertwende schrieb Anton Tschechow das Theaterstück zum Epochenumbruch. In "Der Kirschgarten" verabschiedet sich der russische Landadel von seinen Latifundien, eine neue Klasse geschäftstüchtiger Kaufleute übernimmt das Ruder. Dass die damalige Welt keine ruhigen Zeiten erleben würde, hatte Henrik Ibsen sieben Jahre zuvor mit "John Gabriel Borkman" gezeigt. Er zeigte einen Banker, der mit illegalen Transaktionen seine Kunden ruiniert hatte und nach Verbüßung einer Haftstrafe das Leben eines Einsiedlers führt. August Strindberg vertiefte sich zu der Zeit in okkulte Schriften, wetterte gegen feministische Tendenzen und schrieb 1900 "Der Totentanz", den Klassiker eines in Liebeshass verschlungenen Ehepaares. Und dann war da noch Gerhart Hauptmann, der mit "Vor Sonnenaufgang" und "Der Biberpelz" Sozialdramen in ganz unterschiedlichen Milieus angesetzt hatte. Der Nobelpreisträger war eine schillernde Geistesgröße: Er gab sich sozialdemokratisch, pazifistisch, begrüßte den Ersten Weltkrieg. 1933 trat er in die NSDAP ein.

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