Theater - Cottbus:Staatstheater sucht "Nähe": Klassiker und Neues auf Bühne

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Berlin
Auf der Bühne im Staatstheater Cottbus findet die Pressekonferenz zur Spielzeit 2022/23 statt. Foto: Patrick Pleul/dpa (Foto: dpa)

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Cottbus (dpa) - Die Erleichterung bei Stephan Märki war nicht zu überhören. "Das Theater kann seit 2019 endlich wieder zu einem lebendigen Ort der Begegnung werden", sagte der Intendant des Staatstheaters Cottbus am Mittwoch bei der Vorstellung des Spielplans für die neue Saison 2022/2023. Unter anderem 20 Premieren, fünf Uraufführungen, acht Philharmonische Konzerte und zahlreiche Gastspiele sind geplant - diesmal ohne Corona-Einschränkungen, wie Märki sichtlich gelöst feststellte. "Wir wollen singen, tanzen, spielen, ausgelassene Feste feiern - mit Publikum, im Publikum (...)."

Allerdings sei das Thema Corona-Pandemie mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine zur Nebensache geworden, betonte der Intendant. Umso wichtiger sei es, zusammenzukommen und sich auszutauschen. In bedrohlichen Zeiten werde Nähe benötigt, sagte er. Dieser Begriff werde in Stücken und Formaten beleuchtet.

So sucht das Theater die Nähe zwischen großen Stoffen und beliebten Klassikern. Als erste Produktion unter der neuen Schauspielleitung wird mit "Der nackte Wahnsinn" von Michael Frayn eine beliebte Komödie auf die Bühne gebracht - eine Hommage ans Scheitern mit Humor. Gemeinsames Lachen solle näher bringen, hieß es vom neuen Dreier-Team am Schauspiel: Franziska Benack, Armin Petras und Philipp Rosendahl haben die künstlerische Leitung der Sparte ab der Spielsaison 2022/2023 gleichberechtigt übernommen.

Das Thema Nähe habe erst einmal etwas mit dem Kennenlernen des Ensembles und des Publikums zu tun, sagte Benack. Dazu gehörten auch Sonderformate wie die "Jukebox", eine Art Wunschkonzert, bei der die Lieblingssongs des Publikums performt werden.

Zur Nähe gehört dem Theater zufolge unter anderem auch die regionale Spurensuche. So werden etwa die Romane "Raumfahrer" und "Kairos" der ostdeutschen Autoren Lukas Rietzschel und Jenny Erpenbeck auf die Bühne gebracht. Beide Stücke handeln von Menschen, die sich im Strudel der deutsch-deutschen Geschichte verlieren. Rosendahl inszeniert unter anderem den Klassiker "Romeo und Julia" von William Shakespeare. "Wir müssen uns als Theater neu beweisen und das Publikum zurückholen", schätzte er als einer der Schauspielleiter ein.

Zu den geplanten Aufführungen gehören auch große Opern wie "La Boheme" von Giacomo Puccini, "Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart und "Tristan und Isolde" von Richard Wagner und in der Regie von Intendant Märki. "Das Katzenhaus" kommt als Musiktheater für Kinder in einer Kooperation des Staatstheaters mit dem Piccolo-Theater auf die Bühne. Auch "Anna Karenina" nach einem Roman von Leo Tolstoi gehört zu den Inszenierungen.

Da das Theater ein Viersparten-Theater ist, hat es auch in dieser Saison Ballettinszenierungen auf dem Programm. Es wartet mit Klassikern wie dem "Nussknacker" auf, aber auch mit "Freddie", einem Ballettabend über Queen-Sänger Freddie Mercury. Das Ensemble beleuchtet seine zerrissene Persönlichkeit.

Die Pandemie hat auch am Staatstheater Spuren hinterlassen. Die vergangene Saison sei von einem Rückgang bei den Abonnenten, Vorstellungsausfällen und Krankheitsfällen geprägt gewesen, fasste die kaufmännische Geschäftsführerin, Iris Dönicke zusammen. "Natürlich haben wir auch ein zögerliches Kaufverhalten feststellen können, das hat sich auch niedergeschlagen in den Abozahlen."

Im Theaterbereich gab es ihr zufolge einen Rückgang von 12 Prozent, im Konzertbereich um 19 Prozent. Von 384 Vorstellungen mussten 59 corona- oder krankheitsbedingt abgesagt werden. Mit 31 160 Menschen habe sich die Zahl der Besucher in der vergangenen Spielsaison halbiert, ebenso die Einnahmen, die eine halbe Million Euro betrugen. Das Theater sei nur zu 63 Prozent ausgelastet gewesen.

Auf die neue Spielsaison blickt Dönicke hoffnungsvoll. Das Theater plane mit der vollen Sitzplatzzahl von 621 Plätzen im Großen Haus. 130 Plätzen in der Kammerbühne und 126 Sitzplätzen in der Theaterscheune. 1,8 Millionen Euro an Investitionen würden in die Hand genommen, unter anderem für eine neue Tonanlage. Ein neuer Schallschutzboden für eine bessere Akustik sei bereits eingebaut worden. Zudem wolle das Theater mit zwei neuen Beamern auch mehr Außenwerbung machen. "Wir wollen Nähe herstellen nach außen, dass wir sichtbarer werden." Kommunikation mit der Stadt sei wichtig.

© dpa-infocom, dpa:220427-99-64850/3

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