Theater:Alnatura statt Paradies

Theater: Caren Jess erhält die Residency, Danijel Szeredy den Förderpreis, und der Publikumspreis geht an Anna Gschnitzer (von links).

Caren Jess erhält die Residency, Danijel Szeredy den Förderpreis, und der Publikumspreis geht an Anna Gschnitzer (von links).

(Foto: Andrea Huber)

Städtische Förderpreise für deutschsprachige Dramatik verliehen

Von Christiane Lutz

Frederik Müller kommt nicht mehr zum Schlussapplaus auf die Bühne. Er ist offenbar recht unglücklich darüber, bei der "Langen Nacht der neuen Dramatik" an den Kammerspielen leer ausgegangen zu sein. Dabei hat der 29-jährige Müller überhaupt keinen Grund zum Unglücklichsein. Sein Stück "Der Deutschen Mutter" wirkt nämlich belebend wie ein Energydrink. Die Handlung: Das schwule Pärchen Björn und Karsten wollen ein Kind, das ihre Bekannte Ewa für sie austragen soll. Die willigt ein, weil sie hofft, damit ihre Sachbearbeiterin im Jobcenter, Frau Erfurt, bezaubern zu können, weil sie wiederum von ihr verzaubert ist. Müller knöpft sich die gesellschaftlichen Erwartungen ans Muttersein vor, arrangiert seine Figuren jenseits von Konventions- und Geschlechtsgrenzen, lässt sie Haken schlagen bis zum Showdown mit Erdbeben. Verhältnismäßig aufwendig eingerichtet hat das Ganze Jonny-Bix Bongers und lässt das Spiel mit dem hübschen Satz enden: "Wir hätten das Paradies haben können, aber wir gaben uns mit Alnatura zufrieden."

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