"The Wrong Mans" auf Arte Wenn Hitchcock scherzt

Falsche Zeit, falscher Ort: Sam (Mathew Baynton) und Phil (James Corden) in der Miniserie "The Wrong Mans", die auf Arte läuft.

(Foto: © BBC 2013)

Bösewichte werden zu Faxenmachern, Indizien zu Running Gags: Arte zeigt "The Wrong Mans". Die Krimiserie war bei der BBC erfolgreicher als jede Comedysendung der vergangenen acht Jahre.

Von Josa Mania-Schlegel

Klar, dem einen oder anderen Tatort-Kommissar geht schon mal ein flotter Spruch über die Lippen. Doch für die meisten Krimis mit Anspruch gilt: seriös ermitteln, und nach gelöstem Fall maximal ein melancholisches Lächeln. Mehr fällt schnell in die mit Vorliebe von Privatsendern missbrauchte Kategorie "Krimikomödie". Meistens, so scheint es, werden in die fertigen Krimiplots erst nachträglich ein paar Späßchen eingeflochten, um Leichtigkeit zu erzeugen.

Anders bei der britischen Miniserie The Wrong Mans. Hier arbeiten Spannungsmacher und Gagschreiber Hand in Hand, Showdowns und Pointen bedingen sich gegenseitig. Am Donnerstagabend laufen erstmals alle sechs Folgen der ersten Staffel auf Arte. Auf BBC2 erreichte sie bessere Quoten als jede andere Comedysendung der vergangenen acht Jahre.

Sonst geht es der Frau an den Kragen

Im Mittelpunkt stehen Sam (Mathew Baynton) und Phil (James Corden), zwei unscheinbare Typen. Der eine arbeitet im Rathaus und quält sich seit Wochen mit der Aufgabe herum, einen griffigen Slogan für seine öde Heimatstadt Bracknell zu erdenken (ein Vorschlag: "Bracknell ist tot, lang lebe Bracknell"). Der andere, Phil, verteilt im selben Gebäude unter anderem die tägliche Post.

Das Leben der beiden kommt erst in Schwung, als Sam auf der Straße ein klingelndes Handy findet. Sam nimmt ab. Er soll Lösegeld zahlen, sagt man ihm. Innerhalb der nächsten fünf Stunden, sonst gehe es seiner Frau an den Kragen. Natürlich ist Sam der falsche Mann, aber dafür ein guter Kerl. Sofort übernimmt er Verantwortung für die Frau des fremden Handybesitzers. Auf der Suche nach Abwechslung vom Alltag ergreift Sam jeden Strohhalm - auch wenn ein skrupelloser Geiselnehmer ihm den hinhält - und stürzt sich mit Phils Hilfe in den Fall.

Sechs Episoden à 30 Minuten stolpern Sam und Phil dann slapstickartig durch die gängigen Kapitel eines filmreifen Kidnappings: Erpressung, Morddrohung, erneutes Kidnapping, Mord, und so weiter. Dabei bleibt Sam in seiner Rolle als verklemmter Angestellter gefangen ("Um fünf kann ich nicht zur Geldübergabe kommen, geht auch um sechs?"), während Phil endlich Anwendung für sein gesammeltes Actionfilmwissen findet ("Wir müssen die Geisel erst foltern, bevor wir sie knebeln").

Bösewichte als Faxenmacher, Running Gags statt Indizien

Wie in Alfred Hitchcocks Filmvorlage The Wrong Man reißt eine Verwechslung die Personen in The Wrong Mans mitten aus dem Alltag. Die Miniserie zeigt die mitunter komischen Konsequenzen auf, ohne ihren Handlungsstrang zu verlieren. Das liegt vor allem daran, dass Humor bei Baynton und Cordon - die beiden Schauspieler haben auch das Drehbuch geschrieben - nicht bloß schmückendes Beiwerk ist. Sie machen ihre britische Unbekümmertheit zu einem wesentlichen Teil der Story: Da werden Bösewichte zu Faxenmachern und Indizien zu Running Gags.

Richtig bizarr wird es, als Sam bei der Geldübergabe seine Visitenkarte verliert und ihn der Kidnapper am Arbeitsplatz aufsucht. Dann vermischen sich die Welten von Beamten und Bösewichten. Spannung findet plötzlich dort statt, wo sie eigentlich nicht hingehört, nämlich im Büro. Das führt zu abstrusen Situationen: So stellt Sam seiner Chefin den chinesischen Obermafioso aus der Not heraus als einen entfernten Onkel vor - und der spielt auch noch mit.

Die perfekte Punchline

Frei nach Hitchcock vermischen sich bei The Wrong Mans Vertrautes und Unbekanntes. Etwa als eine eiskalte Killerin bei Phils Mutter aufschlägt und diese zu jubeln beginnt, endlich bringt ihr Sohn eine nette Freundin mit nach Hause. Oder als Phil eine Geisel im Büro versteckt und Sam dort gleichzeitig ein Meeting abhält. Die Geisel macht sich auch noch lautstark bemerkbar - Sam muss improvisieren.

"Leute", übertönt er das Gejammer spontan, "der perfekte Slogan, ich hab ihn!" Alles lauscht. Und schließlich, unter Druck, fällt Sam dann wirklich der perfekte Werbespruch für sein Städtchen Bracknell ein. Natürlich wird der hier nicht verraten.

The Wrong Mans, Arte, 20.15 Uhr

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