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"The Outpost" im Kino:In Unterzahl

Gemeinschaftsgefühl unter Feuer: Rod Luries "The Outpost" zeigt eine Gruppe einfacher Soldaten in Afghanistan, die von einer Übermacht der Taliban überrannt wird.

Von Doris Kuhn

Die Amerikaner und ihre Schlachten: Immer sind es die Niederlagen, die sich ins Gedächtnis graben. Noch im Afghanistankrieg ist "Alamo" der Warnruf der Soldaten, sobald ihr Außenposten von einer Übermacht Taliban angegriffen wird; "Camp Custer" ist der Spitzname dieses Postens, weil er strategisch so verdammt ungünstig liegt, dass bei einer Attacke alle in der Falle sitzen.

Über den Leichtsinn des US-Militärs, dieses Camp trotz Warnung nicht zu schließen, dreht Rod Lurie seinen Film "The Outpost" - und über die 54 Männer, die damals ganz real dort stationiert waren, im Oktober 2009, auf einer Talsohle zwischen drei Berghängen im Hindukusch. Er denkt zum Glück nicht daran, sich auf eine letzte Schlacht zu beschränken. Lang zeigt er, was vorher in Camp Custer geschieht: nichts Außergewöhnliches, militärischer Alltag, nur eben unter unnötig gefährlichen Bedingungen.

Als einen seiner Protagonisten hat Lurie hat Scott Eastwood engagiert, Eastwood wie in "Sohn von Clint". Aber das weiß man spätestens, wenn man ihn sieht, wie er hier einen Sergeant Romesha verkörpert. Scott Eastwood hat die Nase seines Vaters, den Mund, die Koteletten; unter den Soldaten ist er der schweigsame, der lange schaut, bevor er doch nicht grinst, kein leichtfüßiger Held im sozialen Miteinander. Das wird jenen Zuschauern gefallen, die auch seinen Vater schon immer mochten, genauso wie denen, die das Hua-hua-Geschrei der anderen, mehr testosterongesteuerten Camp-Soldaten nicht ganz so charmant finden.

Mitten im Getöse gibt es Momente der Stille, der Verlangsamung

Lurie erzählt vom erfolgreichen Bemühen der US-Soldaten um die afghanische Bevölkerung, bei solchen Episoden weiß man nie genau, ob es sich um Schönfärberei oder um Tatsachen handelt. Einfacher ist es, wenn er die Lernerfahrungen junger Rekruten erklärt. So ist der neue Ammo-Runner, der Mann, der die Munition zu den Schützen bringt, erst ein widerspenstiger Wichtigtuer, bis er allmählich versteht, dass es auch an ihm liegt, ob Männer leben oder sterben - er lernt, Verantwortung zu übernehmen. Der schlaksige Caleb Landry Jones spielt diesen Soldaten mit äußerster Lässigkeit, Lurie wiederum liefert mit ihm eine Charakterstudie, wie ein guter Kriegsfilm sie braucht.

Überhaupt hat "The Outpost", was Kriegsfilme brauchen. Die Balance zwischen Wut und Langeweile ist spürbar, man sieht Gewalt im Camp, Angriffe durch Heckenschützen, die Paranoia, die sich breitmacht. Sobald es ernst wird, müssen sich die Soldaten in aussichtsloser Lage verteidigen, klassisches Szenario der Kriegsgeschichte, da ist man wieder bei den historischen Niederlagen. Wobei Lurie mitten im Getöse oft den Moment von Stille, von Verlangsamung einfängt, der einen Soldaten erfasst, bevor er seine Waffe hochnimmt und mit den Schießen beginnt. Eine solche Aufmerksamkeit für das Persönliche bestimmt dann auch, was sein Film von der Schlacht am Außenposten übriglässt: nicht Aggression, nicht Heldenverehrung, sondern Trauer.

The Outpost, USA/Bulgarien 2020. R: Rod Lurie. Mit Scott Eastwood, Caleb Landry Jones, Orlando Bloom. Verleih: Telepool, 123 Minuten.

© SZ vom 18.09.2020

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