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"The Interview" für Anti-Oscars nominiert:Himbeer statt Lorbeer

Nordkorea-Komödie ´The Interview" ab 5. Februar im Kino

"The Interview" ist unsensibel bei der Darstellung der nordkoreanischen Kultur, sagt der überwiegende Teil der Kinobesucher.

(Foto: dpa)

Die Komödie "The Interview", die den Hacker-Angriff auf Sony ausgelöst haben soll, ist gleich in mehreren Kategorien für den Negativfilmpreis Goldene Himbeere nominiert. Auch die Mehrheit der Kinobesucher äußert Kritik. Grund zur Trauer hat das Filmstudio deshalb trotzdem nicht.

Schlechtester Film, schlechteste Hauptdarsteller: Die Skandalkomödie "The Interview" ist auf der Shortlist für die "Goldene Himbeere", die als Gegenveranstaltung zu den Oscars traditionell die schlechtesten Leistungen des vergangenen Kinojahres nun ja, ehrt, gleich mehrfach vertreten.

Auch die amerikanischen Kinozuschauer sind laut einer Blitzumfrage von Variety nur bedingt begeistert von der Polit-Satire, die nach wildem Hin und Her in den USA seit Weihnachten in einigen Kinos und als Video on Demand zu sehen ist. Sieben von zehn Zuschauern finden den Film demnach "unsensibel" in seiner Darstellung der nordkoreanischen Kultur.

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Das durch die "Interview"-Affäre gebeutelte Sony-Studio wiederum bemüht sich zum Jahresanfang um neues Selbstbewusstsein. Sony Pictures-Chef Michael Lynton bedankte sich in einer Neujahrsbotschaft bei allen Mitarbeitern für ihre Unterstützung. Durch ihren Einsatz habe der Film doch noch veröffentlicht werden können.

Kosten bereits zur Hälfte wieder drin

Der Chef des japanischen Sony-Mutterkonzerns, Kazuo Hirai, nahm bei einem Auftritt auf der Technikmesse CES in Las Vegas erstmals öffentlich zu den Ereignissen Stellung. Seine Mitarbeiter seien Opfer einer der "bösartigsten und heimtückischsten Cyber-Angriffe der jüngeren Geschichte" geworden. Ermutigend dürfte für die Sony-Bosse sein, dass "The Interview" im Netz bislang insgesamt 31 Millionen Dollar eingespielt hat.

Rechnet man noch die fünf Millionen Dollar dazu, die durch die Kino-Auswertung in die Kasse kommen, sind die Produktions- und Marketingkosten von insgesamt 75 Millionen Dollar schon knapp zur Hälfte wieder eingespielt. Hinzu wird noch die Auswertung in anderen Ländern kommen, zum Beispiel in Deutschland. Hier ist der ursprünglich ebenfalls abgesagte Kinostart am 5. Februar nun wieder in die Startliste des Studios aufgenommen worden.

In Hollywood kehrt derweil wieder business as usual ein, sprich: die Komiker nehmen sich der Sache an. Klamauk-Spezialist Chris Rock zum Beispiel nahm den Produzenten Scott Rudin in Schutz, der in E-Mails, die die Sony-Hacker veröffentlicht hatten, rassistische Witzchen über Präsident Barack Obama machte. Alles nicht weiter schlimm, so Rock - Rudin hasse ohnehin jeden. Und Rock muss es wissen, denn Rudin hat seinen neuen Film "Top Five" produziert.

© SZ vom 08.01.2015/danl
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