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"The Grandmaster" im Kino:Da reicht ein Schlag

Film "The Grandmaster" im Kino

Schlanke, zärtliche Hände, bereit eine harte, unerbittliche Kunst auszuüben - Tony Leung als "Grandmaster" im Film von Wong Kar-Wai.

(Foto: Wild Bunch Germany)

Wong Kar-Wai nimmt sich in seinem Film "The Grandmaster" den Kung-Fu-Meister Ip Man vor, bei dem auch Bruce Lee lernte. Das Ergebnis ist eine faszinierende Enzyklopädie chinesischer Kampfkunst.

Ich träume davon, die 36 Hände im Norden noch einmal zu sehen, schreibt der Mann in seinem dunklen Zimmer mit langsamen, akkuraten Pinselstrichen. Eine Art Liebesbrief, die 36 Hände sind eine chinesische Kampfsportvariante, die die Frau, an die er schreibt, von ihrem Vater gelernt und vor einigen Jahren in einem intensiven Pas-de-deux-Duell dem Schreiber vorgeführt hat. Es hat gefunkt dabei, ein coup de foudre.

Der Vater hatte damals, im Jahr 1936, China kampftechnisch zusammenbringen wollen, die Kung-Fu-Schulen des Nordens und die des Südens, mit ihren diversen Kampfarten, Bagua und Wing Chun, Xinji und Baji. Er selbst hatte lange die Schulen des Nordens repräsentiert und war in den Süden gekommen, nach Foshan. Er wollte abdanken, hat sich zuvor noch mit dem besten Kämpfer des Südens duelliert und sich ihm geschlagen geben müssen - Ip Man, der Schreiber des Briefes. Seiner Geschichte widmet sich der "Grandmaster" von Wong Kar-Wai.

An Einheit ist in China zu dieser Zeit schon nicht mehr zu denken, der Kaiser hat abgedankt, in der neuen Republik toben Machtkämpfe, zwischen Politikern und Warlords, die Japaner haben Teile des Landes besetzt. 1937 kommt es dann zum Krieg zwischen China und Japan, die Japaner beherrschen mit brutalen Massakern das Land, Widerstand formiert sich, von Nationalisten wie Kommunisten, Kung-Fu-Lehrer bilden Widerstandskämpfer aus.

Vier Jahre lang hat der Darsteller des Ip Man sich auf die Rolle vorbereitet

Acht Jahre lang hat Wong Kar-Wai den Film vorbereitet, hat mit seinen Mitarbeitern Orte, Paläste, Milieus recherchiert und alte Großmeister aufgesucht, vier Jahre lang hat Tony Leung, Darsteller des Ip Man, sich auf die Rolle vorbereitet, seinen Körper an die Bewegungen und Anforderungen des Wing Chun gewöhnt. 2009 begannen dann die Dreharbeiten, knapp vor der Berlinale ist der Film fertig geworden, lief als Eröffnungsspektakel. Schon ein paar Tage zuvor war er in Festlandchina angelaufen, mit großem Kassenerfolg. Wong Kar-Wai, der sich mit seinen Hongkongfilmen notgedrungen immer am westlichen Kino orientierte, hat nun einen neuen chinesischen Markt gefunden. Für den der "Grandmaster" natürlich in manchen Details revidiert und angepasst wurde.

Es hat in den letzten Jahren bereits verschiedene Ip-Man-Filmbiografien gegeben, die den Mann und seine Kunst priesen, motiviert vor allem dadurch, dass einer der Ip-Man-Schüler Bruce Lee gewesen ist, der unvergessene Martial-Arts-Kino-Held. Kein Genre ist so lax und diffus in seinen Regeln und seiner Struktur wie der Biografiefilm, und Wong Kar-Wai gibt ihm nun endgültig den Rest.

Der großbürgerliche Ip Man, der ganz seiner Kunst leben kann, verliert seine Familie in Krieg und Nachkrieg, er setzt sich vor den Kommunisten nach Hongkong ab, verdingt sich, um zu überleben, als Lehrer in einer der zahllosen Kung-Fu-Schulen dort, sein Leben ist nun einsam und schäbig, nur das undurchdringliche Lächeln hat er sich bewahrt, in dem manchmal ein kleiner Schmerz, eine schalkhafte Bosheit aufblitzen mag.

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