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"The Expendables 2" im Kino:Was ist der Plan? Eine Freakshow

Schwer vom Hormonmissbrauch gezeichnet reinigen die alten Helden die Welt von allem Bösen. Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis und Co. führen in ihrer Action-Ausmusterungsorgie "The Expendables 2" erneut die Unfähigkeit zu Altern vor. Der Rest ist Bräunungscreme.

Jan Füchtjohann

Stellen Sie sich vor, es würde mal wirklich ernst gemacht mit dem so oft angedrohten 80er-Jahre-Revival. Helmut Kohl käme aus dem Ruhestand zurück, um noch einmal zu regieren. Auf dem Centre Court in Wimbledon zwängte sich ein schwer gewordener Boris Becker noch einmal in die knappen weißen Shorts. Und in den Kinos lief wieder ein Film mit Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger - schwer vom Hormonmissbrauch gezeichnet würden die alten Helden darin "Arggghhh" grunzen und die Welt im Kugelhagel von allem Bösen reinigen.

Moment, der letzte Teil ist leider wahr, den Film gibt es wirklich. Er heißt "The Expendables 2" und ist die Fortsetzung des vor zwei Jahren erstaunlich erfolgreichen ersten Teils. Der damals im Internet gemachte Vorschlag, das Ganze lieber "Incontinent Basterds" zu nennen, hat sich damit wohl vorerst erledigt. Dabei würde es doch so viel besser passen. Denn eigentlich geht es bei diesem Action-Klassentreffen nicht um entbehrliche, ausgemusterte alte Haudegen ("Expendables"). Das ist falsches Selbstmitleid - schließlich dürfen die Actionstars hier gerade mal wieder für ein paar Millionen einen Film mit ihren alten Kumpels drehen. Es geht auch nicht um die völlig aberwitzige Story. Die ist ohnehin nur ein fadenscheiniger Anlass, um zu sehen, ob die alten Muskeln noch große Maschinengewehre halten können.

Das eigentliche Thema ist das Altern - und die Unfähigkeit dazu. Stallone, der bekennende Lifestyle-Doper, hat zwar noch immer Adern wie Drahtseile an den Armen, dafür aber jede Regung aus seinem Gesicht einfach weggespritzt. Stattdessen gibt es dort jetzt schwarz gefärbte Konturen: gezupfte Augenbrauen, ein schmales Oberlippenbärtchen, die Haare. Der Rest ist Bräunungscreme.

Immer noch schwarze Haare! Immer noch am Ballern!

Jean-Claude Van Damme, Dolph Lundgren und Chuck Norris sehen kein bisschen besser aus. Außer Schwarzenegger, der in den letzten Jahren wohl weniger trainiert und dafür mehr geredet hat, haben sie alle sichtlich Mühe, aus ihrem kantigen Kinn mehr als ein paar spärliche Worte herauszukauen. Zum Glück sind die Dialoge beschränkt: "Was ist der Plan?" "Sucht sie, findet sie, tötet sie."

Es ist eine Freakshow, ein menschliches Kuriositätenkabinett wie früher auf dem Jahrmarkt. Nicht weil diese Männer alt, sondern weil sie kein bisschen weiser geworden sind. Aus ihrer Unbelehrbarkeit haben sie eine trotzige Tugend gemacht: Seht her! Immer noch schwarze Haare! Immer noch Muskeln! Wir lieben immer noch Testosteron! Und Prügeln und Ballern!

Natürlich nichts gegen Prügel und Ballern. Das ist nun mal gelegentlich das einzig Geistreiche, was man gerade unternehmen kann. Schließlich war ja auch in den Achtzigern schon klar, dass große Muskeln im Informationszeitalter entbehrlich sind. Doch damals kam der Actionfilm als überspitzte, oft genug ironische Feier dieser Entbehrlichkeit gerade richtig. Und hat der Filmgeschichte einige Perlen geschenkt.

Hier sieht man nun eher die Säue. Ständig zwinkern sie einem mit schweren Lidern und müden Witzchen zu: Wir verstehen uns, harhar, das hier ist eine alberne Farce. Wer zuletzt lacht, wird sich an der Kinokasse entscheiden.

THE EXPENDABLES 2, USA 2012 - Regie: Simon West. Buch: Sylvester Stallone. Dave Callaham. Mit: S. Stallone, Jason Statham, Jet Li. Fox, 104 Minuten.

© SZ vom 31.08.2012/feko
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