"The Danish Girl" im Kino:War ganz lecker, reicht aber für den Rest des Jahres

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Vielleicht ist das alles ein bisschen süßlich inszeniert, und irgendwann ist es mit Eddie Redmaynes Zerbrechlichkeit und Alicia Vikanders Welpenblick nicht anders als mit einer Überdosis Lebkuchen: War ganz lecker, reicht aber für den Rest des Jahres.

Redmayne wird als heißer Anwärter auf den Oscar gehandelt, seit "The Danish Girl" Premiere hatte bei den Filmfestspielen in Venedig. Zwar trifft er da auf harte Konkurrenz - dass seine strauchelnde Zartheit aber im Grunde dem Auftritt als Stephen Hawking in "Die Entdeckung der Unendlichkeit" nicht ganz unähnlich ist, wird die Oscar-Academy nicht stören. Es wäre aber trotzdem erfrischend, würde Redmayne mal etwas ganz anderes machen, bevor sein Ausdruck ewiger Verletztheit zum Manierismus verkommt.

Nichtsdestotrotz: Diesen Wandel vom jungen Ehemann, der sich mit Gerda lustvoll in den Laken wälzt, zu einem anderen Ich, in jeder Geste, jedem Streicheln über den Stoff der Kleider, die er tragen will, den verführerischen Blicken, die er zaghaft einem Verehrer zuwirft - das muss ein Schauspieler erst einmal hinbekommen. Es ist ein Varieté-Effekt, den dieses Spiel erzielt, eindrucksvoll als schauspielerisches Handwerk. Es erzählt dann aber doch sehr wenig über die Ängste und Sehnsüchte, die Lili immer wieder an die Oberfläche treiben und dann wieder zurück, dahin, wo sie keiner sieht.

Das Heldentum ist allzu glatt geraten

"The Danish Girl" ist vor allem auch die Geschichte einer Ehe, einer Lebenspartnerschaft, die mit Sex plötzlich nicht mehr viel zu tun hat. Von einer Vertrautheit, die alles überwindet, handelt ja auch schon Hoopers "The King's Speech": vom König, der erst nach dem erzwungenen Rücktritt seines älteren Bruders Edward in die Rolle hineinwachsen muss, für die er gar nicht erzogen wurde - und das nur im Team schafft.

So kann auch Einar nur Lilli werden, weil Gerda zu ihm hält, aber ihr Heldentum ist Hooper allzu glatt geraten. Alles ganz schön und romantisch - was aber diese Selbstaufgabe wirklich bedeutet: Das hat Hooper nicht so richtig interessiert. So sehr hier die unerfüllbaren Sehnsüchte einer gequälten Seele in der Gefangenschaft des falschen Körpers sichtbar gemacht werden - die andere gequälte Seele, die fühlt, was ihr selbst nicht gut tut, spielt nur eine Nebenrolle.

The Danish Girl, USA/GB 2015 - Regie: Tom Hooper. Drehbuch: Lucinda Coxon. Kamera: Danny Cohen. Mit: Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Mathias Schoenarts, Amber Heard, Sebastian Koch. Universal, 120 Minuten.

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