"The Amazing Spider-Man" im Kino:Spinnenbiss-Passage in Es-Dur

Schon klar, man kann das verweigern. Aber dann bleibt ja wirklich nicht viel zu sagen. Dann ist dieser Andrew Garfield ein 28-jähriger Schauspieler, der in einem schweren Fall von Overacting versucht, sich in einen gehemmten Highschool-Grübler zu verwandeln. Marc Webb, sein Regisseur, versucht zwar gelegentlich den Ausbruch - im Würgegriff des Spidey-Franchise verliert er aber alle Originalität und Leichtigkeit, die sein Kinodebüt "(500) Days of Summer" noch hatte.

Nur Emma Stone, die eigentlich immer gut ist, holt aus ihrer eindimensionalen Rolle sehr viel heraus - zum Beispiel einen wunderbar realen Ausdruck der Überraschung, wenn sie begreift, dass ihr schüchterner Lover in Wahrheit der berühmt-berüchtigte Spider-Man ist.

Vielleicht denkt man aber auch zu negativ, wenn man sich nun für immer in einer Superhelden-Wiederholungsschleife gefangen sieht. Zwar wird sich an den Realitäten in Hollywood nichts ändern, und der Zyklus der Remakes und Sequels beschleunigt sich eher weiter. Aber dann tritt das Kino womöglich in eine neue Phase ein - in der sich Oper und klassische Musik schon längst befinden.

Könnte der Kanon der Geschichten, die das Publikum wirklich sehen will, nicht auch hier bald abgeschlossen sein? Dann hätte es seine Richtigkeit, dass die Spidey-Symphonie einfach regelmäßig neu eingespielt wird: hier eine innovative Phrasierung, dort ein virtuoser Spezialeffekt - und dann, im zweiten Satz, die berüchtigte Spinnenbiss-Passage in Es-Dur... An solchen Nuancen dürften wir uns dann abarbeiten - und kein Regisseur von Rang käme darum herum, seinen eigenen Spiderman-, Superman-, oder Batman-Zyklus aufzunehmen.

Auch in dieser schönen neuen Filmwelt stünde es jedem frei, sich gelegentlich noch an originale Kreationen zu wagen - solche Werke liefen dann aber unter dem Etikett "Zeitgenössisches Kino" und klängen eher dissonant bis zwölftonal. Einmal im Jahr, vielleicht in Cannes, würden wir sie bewundern, diskutieren und dazu hochsubventionierten Champagner trinken - im sehr kleinen Kreis.

THE AMAZING SPIDER-MAN, USA 2012 - Regie: Marc Webb. Buch: James Vanderbilt, Alvin Sargent, Steven Kloves. Kamera: John Schwartzman. Musik: James Horner. Mit Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Martin Sheen, Sally Field. Sony, 136 Min.

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