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"Terminator 6: Dark Fate" im Kino:Siege auf Zeit

Filmstill

Letztes Aufgebot: Egal ob Mensch oder Maschine, die Zeit ging nicht spurlos an Sarah (Linda Hamilton) und T-800 (Arnold Schwarzenegger) vorbei.

(Foto: Fox)

In "Terminator: Dark Fate" spielen Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger gealterte Kämpfer, ansonsten geht alles aktualisiert von vorn los. Mit mehr Frauen. Und Mexikanern in Käfigen.

Was macht eine Tötungsmaschine, wenn ihr Auftrag erfüllt ist? Sie wird Gardinenverkäufer. Was passiert, wenn man ein böses Cyberunternehmen auslöscht? Es entsteht ein neues böses Cyberunternehmen. Was passiert, wenn man einen Filmklassiker so lange fortsetzt, bis wirklich keinem mehr etwas Neues einfällt? "Terminator: Dark Fate".

"Terminator: Dark Fate", der sechste Teil der "Terminator"-Reihe, schließt an den zweiten Teil an, ist also genau genommen der dritte Teil. Eigentlich wäre es sogar treffender, ihn als den zweiten zweiten Teil zu bezeichnen, denn "Terminator: Dark Fate" ist bis in Handlungsdetails eine Kopie von James Camerons "Terminator 2".

Damit man das versteht, findet sich am Anfang des Filmes ein Übergang: Man sieht Recaps von Sarah Connor, wie sie in der Irrenanstalt schwört, dass die Welt untergehen wird - das ist dann schon der bewegendste Moment des Films. Dann nimmt sich der Regisseur Tim Miller zwei Stunden, um dieselbe Geschichte noch einmal zu erzählen - nur mit (teilweise) anderen Figuren.

Das heißt: Es kommt ein Killerterminator (diesmal nicht Arnie, sondern Gabriel Luna) aus der Zukunft, um diesmal nicht John, sondern Dani Ramos (Natalia Reyes) zu töten. Geschickt von einer anderen, bösen künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig taucht eine aus der Zukunft gesandte Beschützerin namens Grace (MacKenzie Davis) auf, und, als Bindeglied, die schwer traumatisierte Sarah Connor (Linda Hamilton), inzwischen eine alte, aber keinesfalls harmlose Lady.

Alle laufen vor dem übermächtigen, da gestaltwandlungsbefähigten Gabriel Luna weg, der diesmal Danis Bruder und Vater umgebracht hat. Zwischendurch sammeln sie auch noch Arnold Schwarzenegger ein, der immer noch ein altes Terminatoren-Modell spielt, hier aber nichts mehr zu tun hatte und deswegen Familie und ein Gardinengeschäft hat.

Das könnte eigentlich einer der interessanten Aspekte des Filmes sein: Was passiert mit einer Waffe in Menschenform, wenn ihr sich Auftrag erledigt hat, der Auftraggeber verschwunden ist? Lernt sie stricken? Malen? Wird sie verrückt? Schaltet sie sich ab? Altert sie? Sucht sie sich einen neuen Lebensinhalt? Goldfische? Hätte James Cameron mehr als nur die Grundidee beigesteuert, wäre hier Raum für Charakterentwicklung gewesen - oder sogar den ein oder anderen aufregenden Gedanken. Aber da Millers Gesamtkonzept eher "politisch aktualisiertes Abpausen" heißt, kriegen wir nichts davon, und Arnie ... ist halt irgendwie dabei.

Früher gab es noch Ideen - wie die, einem Kind Gewalt über eine Tötungsmaschine zu geben

Ziemlich viel Filmzeit geht dann auch dafür drauf, zu erklären, warum dieser Film existiert. Dafür werden die Figuren selbst eingespannt, die etwa auf einem Zug sitzen - zur Lagebesprechung. Dani: "Sie wollen mich also töten, weil ich den Rebellionsführer gebären werde?" Sarah: "Du bist ich!" Zuschauer: "Ah! Jetzt versteh ich das auch! Wie damals!" Sarah Connor wirkt zu Recht latent ein bisschen sauer, dass jetzt keiner aus der Zukunft mehr geschickt wurde, um sie zu töten, ihr ganzes Lebensleiden umsonst war und der Unsinn einfach weitergeht.

Genau derselbe Plot ist es immerhin doch nicht, weiße muskelbepackte Männer, die alle umbringen, um weiße Frauen und/oder Kinder zu beschützen, das wäre nicht mehr zeitgemäß. Deswegen ist die neue Hauptfigur eine Latina und natürlich eine starke Frau. Es gibt wieder einen Ausflug ins Spanische, diesmal zu einem Schlepper, aber einem lieben Schlepper, der "die Leute nicht einfach in der Wüste zurücklässt". Es werden in einem Versuch, aktuelle Relevanz zu simulieren, sogar Migranten in Käfigen präsentiert.

Zudem behauptet Arnie, dass in den letzten Jahren innerhalb des Filmuniversums immer wieder Terminatoren auftauchten - die von Sarah Connor jedes Mal eliminiert wurden. Irgendeine Superintelligenz gibt es immer, die Tötungsmaschinen in die Vergangenheit schickt wie ein Abo, das sich nicht kündigen lässt. Und wie sich diese Prozesse im Terminatoruniversum verselbständigen, so geschieht es auch in den Franchises - deren Universen, sei es "Terminator" oder "Star Wars" - immer weiterwuchern und ihre Schöpfer zurücklassen.

Obwohl Cameron und Hamilton wieder an Bord sind, ist der Film nicht gut. Ein Kuchen ist eben doch mehr als die Summe seiner Zutaten. Ein Teil des Charmes von "Terminator 2" war, dass es ein Erwachsenenfilm für Kinder war. Er entstand in einer Zeit, in der andere Tabus galten, was Gewalt betrifft, und John Connor war nicht nur ein beliebiges Terminatoren-Opfer, sondern ein allmächtiges Kind in einer Erwachsenenwelt. Die Idee, dem Zehnjährigen die absolute Befehlsgewalt über eine nahezu unbesiegbare Tötungsmaschine zu geben, machte einen großen Teil des Reizes der Konstellation aus. Das Kind verbat Arnold dann auch erst einmal, zu töten, "weil man das nicht macht". Arnie schoss den Polizisten fortan in die Beine.

Zudem hatte John Connor eine Mutter, die von der Welt als verrückt abgestempelt und eingesperrt worden war. Eine Mutter, die er deswegen für eine Verräterin hielt. Das Auftauchen seines Killers war für ihn deswegen zugleich ein Glücksfall. Dass es den Terminator gab, bedeutete, dass seine Mutter nicht gelogen hatte, dass die Erwachsenen unrecht gehabt hatten, dass das Absurdeste möglich und er wirklich ein Auserwählter war. Es war der Sieg der Verrücktheit über die Normalität, des Abenteuers über den Alltag. Als Johns Terminator im kochenden Stahl versank, tat er es mit einem Thumbs-up-Zeichen.

Solche tieferen Konflikte fehlen in "Dark Fate". Dani ist ein unbeschwertes Mädchen mit der einzigen Charaktereigenschaft, eigensinnig und willensstark zu sein. Sie ist den Maschinen untergeordnet, die aus der Ferne über ihr Leben und ihren Tod entscheiden. Sie hat die Wahl, wegzulaufen oder sich zu stellen. Aber jeder Sieg ist nur ein Sieg auf Zeit. Egal, wie viele Zukünfte man rettet - irgendwann kriegen sie einen doch.

Terminator: Dark Fate, USA/China 2019 - Regie: Tim Miller. Buch: David S. Goyer, Justin Rhodes, Billy Ray. Kamera: Ken Seng. Schnitt: Julian Clarke. Mit Linda Hamilton, Arnold Schwarzenegger, Gabirel Luna, Mackenzie Davis, Natalia Reyes. Verleih: Fox (Disney), 129 Minuten.

© SZ vom 24.10.2019
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