Süddeutsche Zeitung

Taschenbücher:Weihnachtslektüre

Die Sammlung von Weihnachtsgeschichten ist für die ganze Familie gedacht, zum Vorlesen schon ab 8 Jahre.

Von Hilde Elisabeth Menzel

Philip Kerr ist vor allem durch seine Krimis, Thriller und Fantasy-Romane bekannt geworden. Dass er auch für Kinder herrlich gruselige Bücher schreiben kann, hat er mit Kinder des Dschinn oder Die schaurigste Geschichte der Welt bewiesen. In Winterpferde wendet er sich an Jugendliche und beweist mit dieser Mischung aus packendem Abenteuerroman mit märchenhaften Zügen und sensibler und differenzierter Antikriegsgeschichte seine große narrative Begabung.

Er versetzt seine Leser mitten hinein in den eisigen Winter des Kriegjahres 1941 in das Naturreservat Askania-Nowa in der südlichen Ukraine, in dem die seltenen Przewalski-Pferde lebten. Als eine deutsche Kompanie das Gestüts besetzt, ergriff die gesamte Belegschaft die Flucht. Nur der alte Tierwärter Max war geblieben, der zusammen mit seinem Wolfshund Taras in einer kleinen Hütte auf dem Gelände lebte. Er brachte es nicht übers Herz, seine geliebten Pferde im Stich zu lassen. Auch der deutsche Kommandant interessierte sich als Reiter für die seltenen Pferde, doch als er von seinen Berliner Vorgesetzten den Befehl erhielt, alle Przewalski-Pferde zu töten, fügt er sich. Max aber wehrte sich verzweifelt gegen diese schreckliche Verordnung und brachte sich dadurch in große Gefahr. Als er alle Pferde für tot hielt, klopfte eines Nachts ein Mädchen an die Tür seiner einsam gelegenen Hütte. Sie hatte zwei Przewalski-Pferde bei sich, die - obwohl die Pferde sonst sehr wild sind - ganz zahm zu sein schienen. Weil die Stute verletzt war, bat sie Max um Hilfe. Sie erzählte ihm, dass sie Kalinka heiße, Jüdin sei, und dass ihre Eltern vor ihren Augen in einer russischen Stadt ermordet wurden. Sie sei auf der Flucht und hatte bei den Pferden Unterschlupf gefunden. Max versorgt die Wunde der Stute und gibt Kalinka seinen treuen und sehr klugen Hund Taras mit auf den Weg. Es folgt die abenteuerliche und sehr gefährliche Flucht Kalinkas bis nach Sewastopol auf der Krim, die nur gelingt, weil die beiden Pferde und der kluge Hund dem Mädchen treu ergeben waren. (ab 12 Jahre)

Philip Kerr: Winterpferde. Aus dem Englischen von Christiane Steen. Rowohlt rotfuchs Verlag (21774), Reinbeck 2016. 286 Seiten, 9,99 Euro.

Zur Adventzeit gehört das Vorlesen ebenso wie das Plätzchenbacken und Geschenkebasteln, und es ist schade, dass immer weniger Familien Zeit für diese schönen Rituale finden. Die Kinderbuchverlage versuchen diese Tradition mit Geschichten in liebevoller Ausstattung immer wieder aufs Neue zu beleben. So auch in diesem Band, in dem wir bekannte Geschichten wie Hans Christian Andersens Märchen Der Schneemann oder Kirsten Boies Der Tannenbaum finden, aber auch neue unveröffentlichte kleine Geschichten, wie etwa die von Elisabeth Zöller, wo Oma Krummpiepen ihrem Enkel liebevoll den Unterschied zwischen Bestellzetteln ans Christkind und den wirklich wichtigen Innen-drin-Wünschen erklärt. (ab 8 Jahre und zum Vorlesen)

24 Geschichten für die Weihnachtstage, von Kirsten Boie, Erhard Dietl, Isabel Abedi, Elisabeth Zöller u.a. Mit Bildern von Heike Vogel. Oetinger Taschenbuch Verlag (0467), Hamburg 2016. 142 Seiten, 8,99 Euro.

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Quelle:
SZ vom 25.11.2016
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