Süddeutsche Zeitung

Taschenbücher:Freches für Jungs

Sprache, Witz und Spannung bringen diesen besonderen Typen dazu, dass auch lesemuffelige Jungs von ihm begeistert sind.

Von Hilde Elisabeth Menzel

Mit ihren Geschichten von Miles & Niles beweisen die beiden amerikanischen Autoren Jory John und Mac Barnett - wie vor ihnen schon Jeff Kinney mit "Gregs Tagebuch" -, dass die These, Jungen würden ungern lesen, nur eine Frage von Sprache, Witz und Spannung ist. Und auch dem Mut, die Pädagogik zu vergessen. Wenn dann noch lustige Illustrationen wie die von Kevin Cornell hinzukommen, welche die Texte auf fast jeder Seite auflockern, ist die Fangemeinde schon gewonnen.

Nun liegen die beiden ersten Bände der inzwischen auf vier Bücher angewachsenen Serie als Taschenbücher vor und werden neue Leser und auch Leserinnen finden. Der erste Band mit dem Untertitel "Hirnzellen im Hinterhalt" beginnt mit dem Satz: "Willkommen in Yawnee Valley" und dem Porträt einer unnachahmlich doof dreinschauenden Kuh, was vermuten lässt, dass der Umzug unseres Helden Miles, den wir im zweiten Kapitel kennenlernen, in dieses langweilige Kuhdorf nicht in seinem Sinne ist. Auch der Wechsel in eine neue Schule lässt ihn verzweifeln, denn in seiner alten Schule hatte er sich mit seinen - wie er glaubt - einzigartigen Streichen, über die er sorgfältig Buch führt, einen legendären Ruf erworben. Dass er darüber seine Freunde verlor, weil sie sich von ihm ausgetrickst fühlten, war ihm nicht weiter aufgefallen. An der neuen Schule muss er nun ganz von vorne anfangen mit seinen schrägen Späßen. Aber er ist zuversichtlich, dass er auch hier der beste "Trickser" werden wird.

Als neuem Schüler wird Miles ein sogenannter Schulfreund zugewiesen, der ihm über die erste Zeit helfen soll. Es ist dies Niles, ein Musterschüler und Lehrerliebling, den Miles von Anfang an verabscheut. Um seine Position an der Schule zu festigen, plant Miles sogleich seinen ersten Streich. Er verteilt Einladungen zu einer Party, die ein von ihm erfundener Typ namens Cody Burr-Tyler, veranstaltet. Alles geheim, geheim. Jeder soll etwas zu essen, zu trinken und vor allem Geschenke mitbringen. Als Höhepunkt der Party will er sich dann outen. Aber es kommt alles ganz anders, denn der von ihm erfundene Typ tritt in persona auf, heimst die Geschenke ein und verschwindet. Miles ist fassungslos. Irgendjemand trickst ihn da gewaltig aus. Aber wer könnte das sein?

Natürlich weiß der Leser viel eher als Miles, wer sein Widersacher ist, und amüsiert sich königlich über diesen Streiche-Krieg, der damit endet, dass die beiden sich zu einem unschlagbaren Trickser-Duo zusammentun. (ab 10 Jahre)

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4823297
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 28.02.2020
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.