Süddeutsche Zeitung

Taschenbücher:Faszinierende Jugendbücher

Eine Auswanderergeschichte und ein Familienkrimi, in beiden bewähren sich zwei toughe Heldinnen.

Von Hilde Elisabeth Menzel

Sarah Crossan lässt die Ich-Erzählerin Kasienka über die bitteren Erfahrungen als polnische Einwanderin in London berichten. In Form eines Versromans, mit kurzen rhythmisierten Texten, die sich wie ein modernes Gedicht lesen und von Cordula Setsman behutsam übersetzt wurden.

Kasienka ist zwölf, als sie mit ihrer Mutter nach London kommt, auf der Suche nach Tata, ihrem Vater, der sie verlassen hat. Berührend und sarkastisch erzählt sie vom schwierigen Beginn in einer herunter-gekommenen Ein-Zimmer-Wohnung mit nur einem Bett für sie beide: "Mama hat das perfekte Heim gefunden für einen herrenlosen Wäschesack. Ja. Aber nicht für uns." In der Schule wird Kasienka von ihren Mitschülerinnen gemobbt, alles ist falsch an ihr, ihre Sprache, ihre Kleidung, ihr Haarschnitt. Trost findet sie beim Schwimmen, da ist sie richtig gut. "Wasser ist eine eigene Welt, ein Land mit seiner eigenen Sprache, und die spreche ich fließend." Und dort trifft sie William, der sie bewundert und in sie verliebt ist. Als sie den Vater finden, stellt sich heraus, dass er eine neue Familie hat, und die Mutter muss sich der Realität stellen und versinkt in einer Depression. Kasienka dagegen geht es langsam besser. Ihr Sieg bei einem Schwimmwettbewerb ist auch ein Triumph über ihre Feindinnen.

Ein ungewöhnlicher Roman, der sehr authentisch und mit sarkastischem Humor das Leben einer Jugendlichen in einer fremden Welt zeigt.

(ab 12 Jahre) Sarah Crossan: Die Sprache des Wassers. Aus dem Englischen von von Cordula Setsman. dtv junior, München (71727) 2017. 224 Seiten, 8,95 Euro.

Die Geschichte spielt in Uganda und erzählt vom Hirtenjungen Bat, der beobachtet, wie eine Elefantenkuh von Wilderern getötet wird. Als er dann ein winziges Elefantenbaby findet, nimmt er es mit in sein Dorf. Zusammen mit seiner Großmutter und seiner Freundin Muka zieht er die kleine Elefantenkuh auf und nennt sie Meya. Schon bald ist sie der Liebling des ganzen Dorfes. Die unbeschwerte, glückliche Kindheit endet abrupt, als Bat und Muka von Rebellen gekidnappt werden, die sie zu Kindersoldaten ausbilden wollen. Es gelingt ihnen die Flucht, doch als die Rebellen sie aufspüren, taucht plötzlich Meya auf und rettet sie. Anschließend führt die Elefantenkuh die Kinder den langen, mühsamen Weg zurück in ihr Dorf.

Ein sehr berührender Roman mit genauen Kenntnissen über Elefanten und das Schicksal der Kindersoldaten im Krieg der 1980er-Jahre in Uganda. (ab 12 Jahre)

Rachel Campbell-Johnston: Der Junge und der Elefant. Aus dem Englischen von Katharina Diestelmeier. Carlsen Verlag, Hamburg 2017 (1497). 414 Seiten, 8,99 Euro.

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Quelle:
SZ vom 26.05.2017
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