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Tanz:Alte Verse, junge Themen

Dancin' Carmina

Frühlingserwachen der Jugend: Die Produktion "Dancin' Carmina" feiert Liebe, Sex und Poesie.

(Foto: Niklas Faralisch)

Christoph Hagel will Carl Orffs "Carmina Burana" mit Hip-Hop und Karate in die Gegenwart holen

Von Rita Argauer

Erste Liebe und das Aufblühen der Sexualität. Rauscherfahrungen und ein bisschen die Anarchie gegen die Obrigkeit. Das Aufbegehren auskosten und sich über die Erwachsenen-Welt lustig machen. Die Jugend von heute unterscheidet sich in diesen Anliegen wenig von der des Mittelalters. So sieht das zumindest Christoph Hagel. Der Berliner Regisseur und Dirigent, dessen Tanzshow "Breakin' Mozart" im vergangenen Jahr in München lief, hat sich für sein neues Projekt Carl Orffs berühmten "Carmina Burana" angenommen. Daraus will er nun mit Hilfe von Hip-Hop-Tänzern, Karate-Künstlern und Artisten ein Stück schmieden, das den anarchischen Esprit der Benediktbeurer Textgrundlage mit der Jugend von heute verquickt.

"Das waren 14- bis 17-Jährige, die diese Texte entweder geschrieben oder gesungen haben", erklärt er zu den mehr als 1000 Jahre alten Versen, und fährt fort: "Die Inhalte haben sich aber nicht groß verändert. Da geht es um Liebe, Sex, aber auch um Poesie, das ist das Erwachen der Jugend im Frühling." Diese Kraft erkannte schon Orff, als er die rhythmisch stampfende, pathetische aber auch ungemein mitnehmende Musik dazu komponierte. Und diese Kraft spüren auch die Tänzer der Berliner Hip-Hop-Gruppe, die Hagel dazu geholt hat und die live zur Musik eine Geschichte um Jugendliche der Gegenwart, die es ins Mittelalter verschlägt, tänzerisch erzählen werden.

Bei den "Dancin' Carmina" verzichtete Hagel jedoch darauf, die Musik mit Beats oder Synthesizern in die gegenwärtige Popkultur zu holen. Damit setzt er sich von den diversen Tanzshows ab, die mit so einem Prinzip durch Europa touren, und in denen der "Schwanensee" zum Techno-Trance wird oder "Romeo und Julia" sich als amerikanischer Teenie-Traum samt der dazu passenden Charts-Musik, wiederfindet. Doch Orffs Musik ist an sich durch die prägnante Rhythmik von der beatgetriebenen Hip-Hop-Musik gar nicht so weit entfernt. Für die Tänzer sei es ein Leichtes gewesen, ihre Bewegungen auf Orff zu übertragen, erklärt der Hip-Hop-Tänzer Devin Ash-Quaynor. Außerdem habe er die Musik dann doch schnell wiedererkannt. Denn die US-Hip-Hop-Stars Nas oder Puff Daddy haben die berühmte Musik bereits als Sample in ihren Tracks benutzt.

Weit ungewöhnlicher ist da die Herangehensweise der anderen Bewegungskünstler, die an diesem Projekt beteiligt waren: Die "Black Belt Karate Artists". Die fühlen sich geehrt, dass sie hier als "Künstler" agieren dürfen, denn eigentlich seien sie "Wettkämpfer", erklärt deren Leiter Jörg Auffarth. Doch schon alleine wegen des Alters der Orffschen Textvorlage, fühle er da eine Verbundenheit zu seinem Sport, denn der sei ungefähr genauso alt. Für das Bühnenstück hat er nun mit seiner Truppe Bewegungen aus dem Karate-Repertoire entnommen und diese rhythmisch und choreografisch auf die Musik gesetzt.

Die wird zur Uraufführung im Prinzregententheater live von den Berliner Symphonikern und dem Ernst-Senff-Chor aufgeführt, während die Tänzer auf der Bühne ihre jugendliche Reise ins Mittelalter unternehmen. Und ein bisschen Spektakel darf auch hier nicht fehlen: Über zwei Gaze-Vorhänge gibt es Video-Projektionen von Daniel Bandke als Bühnenbild, die einen ungewöhnlichen 3-D-Effekt haben sollen, wie Hagel verspricht.

Dancin' Carmina, Dienstag, 27. Februar, bis Freitag, 2. März, 15.30 Uhr, Sa./So., 3./4. März, 15.30 Uhr und 20 Uhr, Prinzregententheater, Prinzregentenplatz 12

© SZ vom 27.02.2018
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