Talkmoderator David Frost "Er hält sich für Gott"

Der Pluto-Moment: Lange vor Beckmann und Kerner galt David Frost als Journalist, der immer ein bisschen zu nett fragte. Doch dann kam Nixon und musste sich entschuldigen.

Von Jochen Arntz

Er hat sieben amerikanische Präsidenten, sechs britische Premierminister, Muhammad Ali und Prinz Charles im Fernsehstudio gehabt. Und manchmal sah es so aus, als arbeite er auf zwei Kontinenten gleichzeitig. Wenn in London eine Concorde zum Sprung über den Atlantik ansetzte, dann war es ziemlich wahrscheinlich, dass David Frost hinten in der Kabine saß.

Einmal widersprochen, aber das zur rechten zeit: David Frost.

(Foto: Foto: Getty Images)

In seinem Leben, sagte Frost einmal, habe er so viele Meilen gesammelt, dass British Airways ihn gratis auf den Pluto schießen müsste. Solche Sätze hat er gern; und schnell ist klar, wieso seine Frau auf die Frage, ob Frost religiös sei, kurz und britisch antwortete: "Sicher, er hält sich für Gott."

Es gibt wenige Menschen, die mit Worten berühmt geworden sind, die sie nicht selbst gesagt haben. Frost ist einer von ihnen. Der Talkmaster hat Richard Nixon vor gut dreißig Jahren dazu genötigt, das amerikanische Volk um Entschuldigung zu bitten. Für Watergate und all die anderen unangenehmen Dinge, die dieser Präsident zu verantworten hatte und die ihn schließlich dazu brachten, das Weiße Haus zu verlassen. Frost hat Nixon diese Entschuldigung nach einem fast dreißig Stunden währenden Gespräch abgerungen, und so werden die Worte Nixons noch heute eher der Hartnäckigkeit Frosts als der Einsicht Nixons zugerechnet.

45 Millionen Zuschauer sahen den Zweikampf Frost versus Nixon 1977 im Fernsehen. Frost versuchte, Nixon vor Kameras den Prozess zu machen, den die Gerichte nicht eröffnet hatten. So verwundert es nicht, dass dieses Duell auch als Theaterstück in London wieder eine Bühne fand, und dass es nun als Vorlage für den Spielfilm Frost/Nixon dient, der jetzt auch in Deutschland zu sehen ist.

Frost ist heute fast 70, und er würde es wohl im Nachhinein nicht als erstaunlich erachten, dass er damals Nixon einvernahm. Doch das war es. Denn Frost war Experte für Populäres, nicht für Politik. Er redete für die BBC, für das englische Fernsehen, mit den Beatles, den Bee Gees, Elizabeth Taylor und Richard Burton. Niemand erwartete von ihm, dass er Nixon stellte. Noch heute sagt man ihm nach, dass er immer ein bisschen zu nett zu seinen Gästen sei.

Denn David Frost wusste lange vor Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann, dass Prominente in Gesprächssendungen vor allem eins suchen: Bestätigung. Und die gab er ihnen, mit der Ausnahme Richard Nixons. Frost ahnte, dass er in diesem Moment widersprechen musste. Und so begründete er seinen Mythos, den er noch heute gut verkauft. Für einen hohen Preis.

Nach 40 Jahren BBC zu al-Dschasira

Nach gut vierzig Jahren bei der BBC, nach unzähligen Shows, ließ er sich 2006 für das englische Programm eines arabischen Sender engagieren, den die meisten Briten weder aussprechen konnten noch akzeptieren wollten: al-Dschasira, die Station, die im Verdacht stand, Ansichten der al-Qaida in die Welt zu senden. Davon distanzierte sich Frost förmlich, und tut bei al-Dschasira nun das, was er immer tat: Er spricht mit Wichtigen, am vergangenen Wochenende mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Frost macht das heute alles aus London, die Concorde fliegt nicht mehr, und auch er bleibt am Boden. Er empfängt britische Kollegen, die ihn fragen, was er tun würde, wenn er Osama bin Laden für al-Dschasira sprechen könnte. Frost sagt dann, dass er ihn lieber festnehmen als interviewen wollte.

Seinen Gästen hat er immer diese eine Frage gestellt: Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben? Für ihn selbst ist das mit dem neuen Film wohl beantwortet: Als der Mann, der Nixon die entscheidende Frage stellte. Und nur manchmal denkt Frost wohl an die wenigen, die er nicht gesprochen hat: Papst Johannes Paul II., auch Fidel Castro bislang nicht. Sie fehlen. Charles de Gaulle, Frankreichs Nationalheld, versprach ihm ein Interview nach seiner Auferstehung. Das sei also noch offen, sagt Frost.