Am Morgen des 24. Januar 1937 steht Samuel Beckett um acht Uhr auf. Es freut ihn, dass im Frühstück, das sein Weimarer Hotel anbietet, ein Ei und ein Stück Kuchen inbegriffen sind. Das Goethehaus schaut er sich von außen an, kommentiert die angenehme Schlichtheit und den mattrosa Anstrich. Dann geht es zum Bahnhof, Beckett nimmt um 10.10 Uhr den Zug nach Erfurt und läuft über die Adolf-Hitler-Straße zum Angermuseum. Dort besichtigt er als Erstes die Sammlung im ersten Stock, in dem Arbeiten von Lehmbruck, Kokoschka, Kandinsky, Barlach, den Brücke-Malern und vielen anderen modernen Künstlern zu sehen sind. Erich Heckels viel gelobte „Lebensalter“-Fresken im Erdgeschoss empfindet er als „reines Nix“.
Literatur„Bald fange ich wirklich an zu kotzen. Oder fahr heim“
Lesezeit: 7 Min.

Eine Straßenszene Unter den Linden in Berlin, im Jahr 1936. In diesem Jahr unternahm Samuel Beckett eine Deutschlandreise.
Scherl/SZ PhotoDer Autor Samuel Beckett, Meister des Absurden, bereist Hitlerdeutschland. Die nun erstmals publizierten „German Diaries“ sind die grimmigen, oft auch amüsanten Protokolle dieser „Grand Tour“.
Von Alexander Menden
