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Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt:Olga Martynova gewinnt Bachmann-Preis

Es blieb spannend bis zuletzt: Erst nach mehreren Stichwahlen standen in Klagenfurt die Preisträger der 36. Tage der deutschsprachigen Literatur fest. Haupt-Preisträgerin ist die in Russland geborene Autorin Olga Martynova.

Die aus Russland stammende Autorin Olga Martynova ist mit dem diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet worden. Zuvor war es zu einer Stichwahl zwischen Matthias Nawrat und Martynova gekommen, in der zweiten Abstimmungsrunde konnte sich Martynova durchsetzen. Seit Donnerstag hatten 14 Autoren ihre noch unveröffentlichten Texte vorgestellt. Der Hauptpreis der Tage der deutschsprachigen Literatur ist mit 25.000 Euro dotiert.

Russian born German writer Martynova poses after she was awarded with the Ingeborg Bachmann Prize in Klagenfurt

Die Preisträgerin des diesjährigen Bachmann-Preises, Olga Martynova.

(Foto: REUTERS)

Juror Paul Jandl beschrieb Martynovas Text "Ich werde sagen 'Hi'" als "Geburt eines Dichters durch die Erotik". Jurorin Daniela Strigl freute sich über den "hintersinnigen, anarchischen Witz" in der Erzählung, die Kritikerin Meike Feßmann lobte den Beitrag als "souveränen und luftigen" Text. Die 50-jährige Autorin schildert das doppelte Erwachen ihres jungen Protagonisten während der Ferien - Dichtung und Mädchen ziehen ihn gleichermaßen an. Die Jury beeindruckten vor allem kunst- und humorvoll eingeflochtene kulturgeschichtliche Bezüge. Sie sah den Text als einen von wenigen Beiträgen im Wettbewerb, die über private Themen hinausreichte und Welthaltigkeit zeigte.

Martynova, die sowohl Texte auf Russisch als auch auf Deutsch schreibt, verließ Anfang der neunziger Jahre ihre Heimat Russland und zog nach Deutschland. Sie lebt heute in Frankfurt am Main und verfasst unter anderem Beiträge für die Wochenzeitung Die Zeit sowie die Tageszeitungen Frankfurter Rundschau und Neue Zürcher Zeitung.

Der Ingeborg-Bachmann-Preis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Literatur im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 1977 vergeben. Gestiftet wurde die Auszeichnung von der österreichischen Stadt Klagenfurt im Gedenken an die 1973 verstorbene, aus Klagenfurt stammende Schriftstellerin und Lyrikerin Ingeborg Bachmann.

Bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur wurden weitere Auszeichnungen vergeben: Den Kelag-Preis in Höhe von 10.000 Euro erhielt der gebürtige Pole Matthias Nawrat. Der mit 7500 Euro dotierte 3sat-Preis ging an die Freiburgerin Lisa Kränzler. Den Ernst-Willner-Preis in Höhe von 5000 Euro, der von Verlagen gestiftet wurde, bekam die Berlinerin Inger-Maria Mahlke. Bei allen Auszeichnungen waren vier Abstimmungsrunden nötig.

Der Publikumspreis ging an die Niederösterreicherin Cornelia Travnicek. Er ist mit 7000 Euro dotiert und mit einem Stadtschreiberstipendium in Klagenfurt verbunden.