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SZ-Serie: Kultur-Podcasts aus München, Folge 4:Sendungsbewusstsein

Die Münchner Leo Bauer und Felix Flemmer (von links) haben die Web-Plattform 2015 gegründet. Heute kann der Hörer aus 69 Sendungen wählen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Von Gully-Rap aus Indien bis zur Verknüpfung von Pop und Literatur: Die unabhängige Musik-Plattform Radio 80 000

Die Sendungen heißen "Weed Beats" und "Egomachine Hoerfunk", entspannte Reggae-Musik trifft auf elektronisch treibende Acid- und Techno-Beats. Wie das zusammenpasst? Das zeigt eine Gruppe junger Menschen, die Musik aus aller Welt sucht und sammelt, um sie auf einer Plattform im Internet zu vereinen. In Zeiten von Youtube und Spotify - Plattformen, auf denen man am Ende doch immer nur die Musik hört, die man eh schon kennt - schaffen sie eine Auswahl von Klängen verschiedenster Stilrichtungen.

Die Seite heißt Radio 80 000 ( www.radio80k.de) und hat ihre Zentrale im "Container Collective" am Münchner Ostbahnhof. Als kollaborative Plattform besteht sie aus 69 unabhängigen Sendungen, die großteils alle zwei Wochen oder monatlich erscheinen. Gesendet wird hauptsächlich aus München, doch auch in anderen Orten wie Berlin, Wien, Köln oder Hamburg gibt es freiwillige Musikbegeisterte, die in eigenen Shows ihre musikalischen Höhepunkte zusammentragen.

Gegründet wurde Radio 80k von den beiden Münchnern Felix Flemmer und Leo Bauer, die sich schon seit der Schulzeit kennen. "Wir schaffen nur die Plattform", auf der musikalische Diversität dargestellt werden solle, sagt Flemmer. Als "organisch" bezeichnet er die flache Organisation des nicht kommerziellen Online-Radios, das die beiden Schulfreunde im April 2015 gründeten. Bevor sie 2017 in das modern urbane Werksviertel im Münchner Osten zogen, wurden alle Sendungen von zu Hause aus gesendet. Seit dem Umzug wächst Radio 80k stetig. "Es läuft", bilanziert Flemmer. Ihm zufolge steigen die Zuhörerzahlen konstant.

Der gemeinsame Nenner aller Sendungen ist die Musik. Dabei unterscheiden sie sich in Länge, Erscheinungstakt und Inhalt. Manche bestehen ausschließlich aus DJ-Sets, andere ähneln eher einer Talkshow und haben pro Sendung einen bestimmten Schwerpunkt. Die Münchner Show "Pop nicht Volk" von Julian Werner widmet sich der Verbindung von Politik und Musik, so zum Beispiel in einer Sendung dem Gully-Rap aus Indien und der Frage, warum eine Dokumentation des Magazins Vice dem Phänomen der kulturellen Aneignung dieser musikalischen Subkultur des indischen Subkontinents nicht gerecht wurde. Dominik "Schelli" Schelzke baut seine Sendung "Tender Talks" so auf, als wäre er ein Barkeeper, der Musik auflegt und sich vermeintlich beiläufig mit seinen Gästen unterhält. Roxy Höchsmann kombiniert Literatur und Musik im Format "Double Happiness" und lässt zwischen ausgewählten Liedern Autoren und Verleger Passagen aus ihren neuen Büchern lesen. Bei "Visions Of Boom" füttert "Deep Down Dave" seine Zuhörer mit sehr viel musikalischem Nischenwissen, und Mira Mann lässt in ihrer Sendung "Text+Musik" sichtbar werden, wie Liedtexte durch die Struktur der Musik zum Leben erwachen.

Die Homepage macht es den Hörern leicht, sich zu orientieren. Ob mit einem einfachen Klick auf den Play-Knopf der aktuellen Live-Sendung oder mit dem nächsten Klick in das Sendungsarchiv, in dem nach Musikrichtung oder Show gesucht werden kann - lange dauert es nie, bis man den passenden Sound auf den Ohren hat. In der Selbstbeschreibung bezeichnet sich Radio 80k als "Vermittler von Kollaboration und kulturellem Ausdruck in Form von Musik, Dialog und deutschlandweiten Events". Die Auswahl der Musik sei eine "zeitlose und zeitgenössische Mischung", wodurch der Sender sowohl bei einem romantischen Dinner als auch bei einer ausgelassenen Hausparty oder beim Frühstück mit Freunden ideale musikalische Begleitung bietet.

Im Netz zu finden: www.radio80k.de, außerdem bei Facebook, Instagram und Mixcloud