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SZ-Serie: Die Stunde der Dichter, Teil 7:Das Phantom

B. Traven, Schriftsteller, D, vermutl. 1920er Jahre

Otto Feige alias Ret Marut alias B. Traven auf einem Foto der Londoner Polizei im Jahr 1923.

(Foto: Ullstein Bild)

Als Ret Marut mischte Otto Feige in der Münchner Revolution mit, als B. Traven wurde er zum geheimnisvollen Erfolgsautor

Von Wolfgang Görl

Im Sommer 1924 geht im mexikanischen Ölhafen Tampico ein Mann von Bord, der sich Traven Torsvan nennt. Etwa drei Monate zuvor hatte er auf einem norwegischen Dampfer, der von London aus Richtung Lissabon fuhr, als Kohlentrimmer angeheuert. Danach verliert sich seine Spur, bis er in Mexiko auftaucht. In der Nähe von Columbus, 50 Kilometer nördlich von Tampico, mietet er ein Haus. Fortan lebt er mit wechselnden Namen an wechselnden Orten, er übt mal diesen und mal jenen Beruf aus. Vor allem aber schreibt er, ja, er schreibt wie ein Besessener. Im Sommer 1925 erscheint im Vorwärts, dem Zentralorgan der SPD, der Roman "Die Baumwollpflücker", dessen Autor sich B. Traven nennt. Er ist niemand anderes als der ominöse Traven Torsvan. In rascher Folge erscheinen Kurzgeschichten, ein ethnografischer Reisebericht und elf sozialkritische Abenteuerromane, darunter "Das Totenschiff", 1959 verfilmt mit Mario Adorf und Horst Buchholz, und "Der Schatz der Sierra Madre", den der Hollywood-Regisseur John Huston mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle 1948 auf die Kinoleinwand brachte. Travens Bücher, in denen es immer auch um das Schicksal der Ausgebeuteten und Entrechteten geht, werden in mehr als 24 Sprachen übersetzt und erreichen weltweit eine Auflage von 30 Millionen Exemplaren.

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