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Kunstmann Verlag, Deutsche Kinemathek, edition text + kritik.

Neue Bücher über die bedeutendsten Kriminalfälle der Republik und Filmkritiker Hans Schifferle.

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Annette Ramelsberger über Kriminalfälle

Was verbindet den norwegischen Massenmörder Breivik mit den Attentätern von Halle, Hanau und München? Warum erschießt ein Neonazi den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, auf dessen eigener Terrasse, während drinnen die Ehefrau den Enkel zu Bett bringt? Was geht im Kopf eines Messerstechers vor, der erklärt, es sei sein Recht, Ungläubige zu töten? Wie gefährlich sind all diese Mörder, Verschwörer, Attentäter für Deutschland? Und wie geht der Rechtsstaat damit um?

Annette Ramelsberger: Am Abgrund. Aus den Gerichtssälen dieser Republik. 358 Seiten. Kunstmann München. 26 Euro.
Annette Ramelsberger: Am Abgrund. Aus den Gerichtssälen dieser Republik. 358 Seiten. Kunstmann München. 26 Euro. Kunstmann München Verlag

Darüber schreibt die SZ-Gerichtsreporterin Annette Ramelsberger in ihrem Buch „Am Abgrund. Aus den Gerichtssälen dieser Republik“. Sie hat für die Süddeutsche Zeitung jahrelang über den NSU-Prozess berichtet, sie hat dem Attentäter von Utøya in die Augen gesehen und seine Nachahmer in Deutschland beobachtet. Schon 1998 wies sie auf die anschwellende rechte Gewalt hin, die nur wenige wahrhaben wollten. Sie hat über Islamisten geschrieben, die zu Hause Bomben bauen, über sogenannte Ehrenmorde, Polizeiskandale und die schwäbische Ehefrau des Terroristen Carlos. Ramelsberger beschreibt die bedeutendsten Kriminalfälle der Republik. Wie unter einem Brennglas zeigen sich vor Gericht die Extreme unserer Gesellschaft. „Am Abgrund“ ist so auch viel mehr als eine Sammlung von Reportagen. Sie erzählen eine kleine Geschichte des Landes, in dem wir leben.

Hans Schifferles Texte

Film & Schrift, Band 24: Hans Schifferle. Herausgegeben von: Deutsche Kinemathek, Rolf Aurich / Ulrich Mannes (Hg.)., München 2026, 256 Seiten, 28 Euro.
Film & Schrift, Band 24: Hans Schifferle. Herausgegeben von: Deutsche Kinemathek, Rolf Aurich / Ulrich Mannes (Hg.)., München 2026, 256 Seiten, 28 Euro. Deutsche Kinemathek, edition text + kritik

Hans Schifferle war ein Filmkritiker, der immer den direkten Weg zum Kino suchte. „Elementar und naiv hebt Armando Bos erotisches Melodram aus Argentinien an, das so schön ist und so verrückt wie ein kitschiges Heiligenbild, ein sentimentaler Schlager oder ein schmerzlicher Tango. Bürgerliche Geschmacksvorstellungen muss man vergessen – und auch den Selbstschutz ablegen, Gefühlsdarstellungen nur ironisch zu betrachten … Man muss sich berühren lassen.“ So liest man am Anfang seiner Kritik zum Film „Fuego“ von Armando Bo – Januar 1992, es war einer seiner ersten Texte für die SZ, und es ist eine fast programmatische Passage, worum es (ihm) im Kino geht.

Schifferle ist 2021 gestorben, nun bringt die Deutsche Kinemathek in ihrer Reihe „Film & Schrift“ eine Auswahl seiner Texte heraus, herausgegeben von Rolf Aurich und Ulrich Mannes, der auch ein schönes behutsames Porträt zur Einführung schrieb. Schifferle hat für zahlreiche Zeitungen und Magazine geschrieben, etwa Kölner Stadt-Anzeiger oder Steadycam, und 1991 bis 2015 für die SZ. Er kannte und liebte all jene Filmemacher – meistens aus den Besuchen des Münchner Werkstattkinos –, von denen seine Kollegen allenfalls eine vage Vorstellung hatten: Armando Bo, Guy Maddin, Denis Scully, Dietmar Klein … All die missratenen und missachteten Filmemacher, die Schmuddelkinder und Underdogs. So ist der Band auch eine subversive Geschichte des unbekannten Kinos.

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