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Symbolpalette erweitert:Neue Emojis

(Foto: Emojipedia)

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein schrieb: "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt." Online wurden die Grenzen der Welt gerade neu gezogen: Ein ganzer Satz neuer Emojis ist diese Woche enthüllt worden und mit ihm ungeahnte Möglichkeiten der wörtlichen (oder vielmehr: bildlichen) und metaphorischen Verwendung.

Überraschend an der Auswahl ist die unerwartete Einführung ausgestorbener Tiere. Wobei das Mammut und der Dodo in den meisten Chatverläufen bisher eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben dürften. Für Verwunderung sorgten eine anatomische Lunge und ein Herz, die außerhalb von Medizinstudentengruppen wohl schwer einsetzbar sind, außer vielleicht als Vanitas-Symbol. Dieses echte Herz schlägt nun auch beim Versand der inflationär verwendeten, stilisierten Herzchensymbole als subversive Alternative mit.

Identitätspolitisch werden neue Gruppen erschlossen: Es gibt nun einen Mann und das dritte Geschlecht im Brautkleid sowie eine Frau und eine geschlechtsneutrale Person im Smoking. Stillend mit Kind lassen sich bald alle drei derzeit anerkannten Geschlechter in fünf Hauttönen sowie neutralem Gelb abbilden. Über allem prangt in der offiziellen Übersicht ein lächelnder und zugleich weinender Smiley. Der wirft neben den jede Identität abbilden wollenden Männchen die Frage auf, ob dieser Urtyp des Emojis nicht eleganter und inklusiver ist als eine potenziell endlose Parade möglicher Varianten des letztlich selben Symbols.

Andererseits: Zu neutral sollten die Figuren auch nicht sein. Zwei vollkommen gesichtslose, einander umarmende Männchen haben sich zwischen Bumerang, Piñata, Käsefondue und Leiter eingeschlichen und wirken eher unheimlich als liebevoll. Man kann sich gut vorstellen, wie diese Gestalten einander als Liebesbeweis anatomische Herzen schicken.

Insgesamt 117 neue Symbole sollen im Lauf des Jahres ausgespielt werden. Wo das hinführen soll? Zu Dutzenden neuen Symbolen jedes Jahr? So lange, bis alles emojisiert ist? Sprache unterliegt ja, wie Dodo und Mammut, auch einer Evolution. Was angeboten wird, muss sich im praktischen Gebrauch nicht unbedingt durchsetzen. Die Symbole entwickeln in den Chats schnell ihre eigene Bedeutung und werden manchmal zu Codes, die nur Eingeweihte verstehen. Es bleibt abzuwarten, was sich alles mit einem Käsefondue ausdrücken lässt.

© SZ vom 01.02.2020