Surf-Klassiker "The Endless Summer":Auf der fast perfekten Welle

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30 Grad, blauer Himmel, Sonnenschein - an einem Tag wie diesem wünscht man, der Sommer würde nie zu Ende gehen. "The Endless Summer" ist der passende Filmklassiker dazu. Bis heute lässt er uns vom unbeschwerten Surferleben träumen. Dabei stammt er aus einer krisenreichen Zeit.

Marc Baumann

Der August ist ein guter Monat, um sich den Film "The Endless Summer" anzusehen. Weil die wenigen verbleibenden heißen Tage im Jahr 2012 jetzt noch kostbarer wirken als im Juni oder Juli. Der September steht kurz bevor, der Herbst rückt näher, der Sommer geht schon wieder, kaum ist er richtig da. Ein endloser Sommer? Deutschland ist ein passendes Land, um davon zu träumen. Und so sitzt man vor dem Bildschirm und sieht zwei braun gebrannten Sunnyboys zu, wie sie um die Welt fliegen, von Kalifornien in den Senegal, weiter nach Ghana, Nigeria, Südafrika, Neuseeland, Australien, Tahiti, am Ende Hawai. Und man kann nicht anders, als Fernweh und Sommersehnsucht zu bekommen.

Surfen auf den Wellen vor Senegal

Surfen auf den Wellen vor Senegal, wie in dem Film "The Endless Summer" aus dem Jahr 1966.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

50.000 US-Dollar kostete der 1964 erstmals vorgeführte Film von Regisseur Bruce Brown, der 1966 auf die große Kinoleinwand kam und nie für möglich gehaltene 30 Millionen US-Dollar einspielte. "Der Film war eine große Auszeit vom Vietnam-Krieg", so hat Robert August, einer der zwei Surfer und Hauptdarsteller in dem Film, den überraschenden Erfolg dieses kleinen Films einmal erklärt. Amerikas Jugend sehnte sich nach dem Schock der Ermordung von Präsident John F. Kennedy, in Zeiten des Kriegsdienstes und der Rassenunruhen nach einem Leben, in dem die Tage nur aus Strand, Sommer und Spaß bestehen. Die Surfer der 1950er und 60er Jahre lebten als erste diesen neuen Lebensstil vor, der bis heute nichts an Faszination verloren hat: Beachboy statt Büroangestellter, Funsport statt Konditionstraining.

"The Endless Summer" ist aber nicht nur ein Film für Surf-Anfänger, auch langjährige Surfer werden sich dabei nicht langweilen. Bruce Brown, Regisseur und Kameramann, schafft es als alleinige Erzählstimme des Films, über das Surfen so zu reden, dass Nichtsurfer und Profi gleichermaßen zuhören. Der Film ist nicht fehlerlos und 48 Jahre nach der Erstaufführung (kaum zu glauben, wie lange das her ist) wirkt vieles daran veraltet: Der Surfstil auf langen, schweren Brettern war schon Anfang der 70er Jahre überholt und von kleinen, wendigen, schnellen Surfboards revolutioniert worden. Auch mancher Kommentar über Schwarze, die den weißen Surfern am Strand in Ghana oder im damaligen Apartheitstaat Südafrika zusehen, wirkt etwas sehr von oben herab. Und der Humor, die ein, zwei kleinen Slapstickeinlagen, ist auch nicht mehr ganz zeitgemäß.

Eben doch nur eine Illusion

Der Film schafft es aber zugleich, zeitlos elegant zu sein: Etwa über das großartige Filmplakat, das sich als T-Shirt immer noch gut verkauft - kürzlich sah man Teeniestar Justin Bieber darin. Dazu der tiefenentspannte Soundtack, passenderweise von einer Band namens "The Sandals". Und dann ist da noch das überraschende Outfit der beiden Surfer Robert August (was für ein Nachname) und Mike Hynson, die eben nicht nur in Surfshorts herumlaufen, sondern auf dem Weg zum und vom Flughafen in perfekt geschnittenen, enganliegenden schwarzen Anzügen mit Krawatte auftreten, die Haare kurz geschnitten und nach hinten gegelt. Damit könnten sie sofort in jedem Männermagazin im Jahr 2012 eine Modestrecke bekommen.

Der endlose Sommer endete zumindest für Mike Hynson mit einem tiefen Absturz, Drogen und Gefängnis, verblüffende Abgründe, wenn man ihn im Film ewig lächelnd am Strand mit jungen Damen flirten sieht. Der dokumentarisch anmutende Film ist eben doch nur eine Illusion, so wie der endlose Sommer, so wie "die perfekte Welle", die Hynson und August im Film entdecken: Cape St. Francis. "An 300 Tagen im Jahr läuft sie perfekt, wie von einer Maschine produziert", schwärmt Erzähler Bruce Brown. Inzwischen ist bekannt, dass die Welle eher selten so traumhaft bricht wie im Film - und die Helden von "The Endless Summer" die wirklich perfekte Welle um zwölf Kilometer verfehlt haben: Jeffreys Bay einige Meilen weiter bricht zuverlässiger, höher, schöner und ist heute ein Stop der Surfweltmeisterschaft. Dort findet man Männer, die den Traum vom endlosen Sommer wirklich leben, die 32 besten Surfer der Welt, die von Strand zu Strand und Land zu Land reisen, auf der Suche nach der perfekten Welle. Der Beruf Profisurfer soll übrigens überraschenderweise sehr anstrengend sein, hört man.

"The Endless Summer" ist remastered und ab dem 1. August bis zum DVD-Release zunächst exklusiv bei iTunes erhältlich.

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