Stuttgarter Oper:Eine Milliarde plus x

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Stuttgarter Oper: Das Staatstheater Stuttgart am Eckensee.

Das Staatstheater Stuttgart am Eckensee.

(Foto: Markus Mainka/Imago)

Die Stuttgarter Oper muss saniert werden. Nur zu welchem Preis? Und schon gibt es Streit.

Von Max Ferstl

Im Eckensee liegt ein großer Klumpen Metall im Wasser. Der Klumpen gehörte lange Zeit zum Dach der Stuttgarter Staatsoper. Vor einem Jahr hat ein Unwetter das Blech heruntergeweht, doch weil in Stuttgart nichts wegkommt, wurde das verbogene Stück Operndach zum Kunstwerk umfunktioniert, das vor dem "fortschreitenden Klimawandel" warnen soll.

Der Klumpen erinnert auch daran, dass die Stuttgarter Staatsoper saniert werden muss. Die Pläne gibt es schon lange, mehr als eine Milliarde Euro soll das Projekt kosten, das ist seit einem Jahr bekannt. Doch nun entwickelt sich in der baden-württembergischen Landesregierung offenbar eine Debatte, ob das wirklich sein muss: eine Milliarde für eine Oper? Vor allem Teile der CDU-Fraktion sehen die Kosten kritisch, heißt es aus Regierungskreisen. Aber es gibt auch grüne Abgeordnete, die sich gerade fragen, ob das Projekt in Zeiten der Krise eigentlich noch vermittelbar ist. Und ob es nicht eine kleinere, billigere Lösung bräuchte.

Die Bühnentechnik ist so veraltet, dass es kaum noch Ersatzteile gibt. Vom Brandschutz ganz zu schweigen

Dass die Stuttgarter Staatsoper saniert werden muss, ist unumstritten. Sie ist eine Institution, wurde 1912 von Architekt Max Littmann errichtet, die letzte Sanierung liegt mehr als 35 Jahre zurück. Die Mängelliste ist entsprechend lang. Die Bühnentechnik ist so veraltet, dass es kaum noch Ersatzteile gibt. Der Brandschutz ist nicht mehr zeitgemäß. Und es gibt viel zu wenig Platz für die 1400 Menschen, die dort arbeiten. Es fehlen 10 000 Quadratmeter Fläche.

Deshalb haben sich die Stadt Stuttgart und das Land nach langem Ringen für eine umfassende Sanierung entschlossen, die Kosten sollen geteilt werden. Ursprünglich kalkulierte man großzügig mit einer Milliarde Euro - in der Hoffnung, sich nicht während der Bauarbeiten nachträglich nach oben korrigieren zu müssen. Doch inzwischen gilt es als durchaus realistisch, dass die Kosten durch den Krieg und die Inflation weiter steigen könnten - inzwischen kursieren wilde Spekulation, die von zwei Milliarden unken. Vielleicht auch eine rein politische Zahl: Je teurer ein Projekt, desto leichter kann man es abschießen.

Trotzdem beteuern derzeit sowohl die Stadt Stuttgart als auch die Landesregierung, an der geplanten Sanierung festzuhalten. "Es gibt keine Planänderung", sagte ein Sprecher von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) sagte, dass die Zeiten "kompliziert" seien, "aber kein Grund, die Segel zu streichen". Die Generalsanierung sei "nötig und überfällig". Die Arbeitsbedingungen seien für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Moment kaum noch erträglich. Eine Sanierung in reduzierter Form halte sie für schwierig.

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