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Studien zur Stradivari:Entzauberte Klänge

Stradivari Musée de la Musique Paris

Von wegen Zauberklang: eine Stradivari im Musée de la Musique in Paris.

(Foto: AFP)

Sie gelten als beste Geigen der Welt und sie kosten Millionen: die berühmten Stradivaris. In Tests mit Profi-Musikern schneiden die italienischen Violinen jedoch schlechter ab als moderne Modelle. Das Ende eines Mythos?

Nach allgemeiner Meinung gelten die Geigen, die der Italiener Antonio Stradivari oder sein Landsmann Giuseppe Guarneri del Gesù bis Mitte des 18. Jahrhunderts in Cremona bauten, als die uneinholbar besten der Welt. Nicht nur ihr Zauberklang und die Geschichte dieser Instrumente, zu der natürlich durch die Jahrhunderte hindurch deren illustre Spieler gehören, sind von Mythen umwoben. Auch die längst in ebenfalls mythische Höhen gekletterten Preise von vielen Millionen pro Instrument sind legendär. Letzteres ist aber begreiflich, denn von Stradivari gibt es vielleicht noch mehr als vierhundert spielbare Violinen, von Guarneri kaum mehr hundert.

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Um das Geheimnis des Stradivari-Klangs zu ergründen, haben Wissenschaftler wie Scharlatane alles Mögliche unternommen. Aber alle diese Bemühungen haben keine neuen Stradivaris und Guarneris hervorgebracht. Doch gibt es weltweit vorzügliche Geigenbauer, die ausgezeichnete Instrumente herstellen, die von Solisten, Orchestermusikern und Amateuren gekauft und genutzt werden.

Im September 2012 wurden nun zehn renommierte Solisten nach Paris eingeladen, um in einem sogenannten Blindtest zwölf Violinen auszuprobieren: sechs neue und sechs alte, darunter fünf von Stradivari. Wie schon bei ähnlichen Tests zuvor haben sich die Violinisten mehrheitlich nicht für die kostbaren Stradivaris, sondern für moderne Instrumente entschieden, die in ihren Ohren besser klangen als die "Strads".

Jetzt ist die erste von drei Studien zu diesem Experiment erschienen und sie belegt, unter welchen Bedingungen der Test stattfand. Die Musiker spielten auf den Instrumenten mit verdeckten Augen und in abgedunkelten Räumen, damit sich keiner an der äußeren Erscheinung der Geigen orientieren oder sie gar identifizieren konnte. Die Testsitzungen dauerten jeweils 75 Minuten, die Musiker probierten die Violinen zuerst in einem Probenraum und dann in einem Konzertsaal mit dreihundert Plätzen aus, solo, in der Kammermusik und mit Orchester. Sie durften ihren eigenen Bogen benutzen, auch Kinnhalter und Schulterstützen sollten kein Hindernis bieten.

Die Ergebnisse über die Präferenz der Solisten waren eindeutig, die meisten zogen eine neue den alten Violinen vor. Die erste "Strad" landete auf dem dritten Platz. Es werden noch zwei weitere Studien erscheinen: zur Wirkung der Geigen auf die Zuhörer und zu den Beziehungen zwischen akustischen Messungen und den subjektiven Eindrücken bei Spielern und Hörern.

Man kann einwenden, dass bei zehn anderen Geigern und zwölf anderen Violinen das Resultat vielleicht anders ausfiele. Das Paris-Experiment zeigt aber zum einen, dass es sehr gute moderne Violinen gibt, die nicht nur in Tests, sondern im Konzert gebraucht werden. So spielt der berühmte deutsche Geiger Christian Tetzlaff seit Langem auf einer Violine von Stefan-Peter Greiner aus Stuttgart. Dessen Instrumente, auch Bratschen und Violoncelli, werden inzwischen weltweit von bedeutenden Solisten hoch geschätzt.

Zum anderen aber braucht es, so sagen jene, die eine Stradivari oder Guarneri spielen, um diesen Instrumenten gerecht zu werden, entschieden mehr Zeit als 75 Minuten.

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