Süddeutsche Zeitung

Studentenverbindungen in den Medien:"Bild" weiß es besser

Nachdem die ARD eine blutige "Tatort"-Folge aus dem Verbindungs-Milieu zeigte, versucht das Boulevardblatt, die Ehre der Studentenverbindungen zu retten.

Am vergangenen Sonntag thematisierte die ARD im Münster-Tatort (8,1 Millionen Zuschauer/mit Axel Prahl als Kommissar) blutige Rituale schlagender Studentenverbindungen.

An diesem Montag fragte die Bild-Zeitung prompt: "Gibt es diese blutigen Rituale wirklich?" Mit neun Antworten reagierte das Springer-Blatt auf die Fernsehfiktion. Anders als der Tatort, der sich kritisch mit dem Milieu der Burschenschaft auseinandersetzt, sind die beiden Bild-Autoren erkennbar entspannt.

Frage: "Ist Fechten gefährlich?" Wesentliche Antwort: "Ein Arzt ist immer vor Ort". Oder: "Wird wirklich so maßlos getrunken?" Antwort: "Nein, niemand ist gezwungen, Alkohol zu trinken." Die meisten Verbindungsstudenten, heißt es, "tragen farbige Bänder und Mützen".

Die Bild-Folklore habe "mit der Wahrheit nichts zu tun", sagt Stephan Peters, Autor mehrerer Burschenschafts-Bücher ("Elite sein"). Die Geschichte der Korporationen im "Dritten Reich" sei auf den Satz verkürzt: "Alle Korporationen wurden unter den Nazis verboten". Dass sich die Burschenschaften (eine Verbindungsart) 1935 freiwillig in den NS-Studentenbund auflösten, bleibe unerwähnt, sagt Peters.

Auf die Frage: "Ist das Fechten illegal?" hatten die Bild-Autoren geantwortet: "Nein, denn Verletzungen werden von beiden Teilnehmern in Kauf genommen." Da sah auch schon 1953 der Bundesgerichtshof so: Das Fechten, sei nicht strafbar, aber "eine Körperverletzung mit Einwilligung".

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, 43, müsste das wissen. Fast besser als in der Welt der 68er kennt er sich vermutlich in der Welt der Burschenschaften aus. Von 1983 bis '85 war Diekmann in Münster als "Militär-Fux" ein "Franke". Seit 2006 ist er wieder Franconia-Mitglied. Und noch ein Experte hat am Bild-Aufklärungsstück mitgeschrieben: der frühere Pressesprecher der Verbindung Aenania.

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Quelle:
SZ vom 30.10.2007
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