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"Stromberg - der Film" im Kino:Papa in der Krise

Stromberg Christoph Maria Herbst

Christoph Maria Herbst in "Stromberg - Der Film".

(Foto: dpa)

Jenseits der Grenzen des Büroalltags: Die Fernsehserie "Stromberg" wird leinwandtauglich und damit aus dem Kleinkrisenmanager ein Großkrisenmacher. Christoph Maria Herbst gibt wieder den Albtraum-Chef.

Papa Stromberg gibt erst mal ein Bier aus. Für seine Mitarbeiter im Bus, die mal nicht grauen Büroalltag, sondern eine tiefgraue, winterkalte Tristesselandschaft ertragen müssen, deren Attraktionen vom übereifrigen Kollegen am Mikro aufgezählt werden: Hier ein riesiger Schweineschlachthof, dort die blutigen Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges, und die Pinkelpause machen sie vor einem gigantischen Atommeiler.

Die Stimmung ist im Eimer. Bier ist das Einzige, was hilft, und Stromberg (Christoph Maria Herbst) weiß das - aus Erfahrung. Denn wer sein Leben in einem Büro wie jenem verbringt, in dem die Mitarbeiter der Abteilung "Schadensregulierung" der Capitol Versicherung ihr Dasein fristen, und dann auch noch unter seiner väterlichen Leitung, der kennt schon die bedrückende Atmosphäre, die sonst nur Weltkriegsopfern und Schweineschlachthäusern vorbehalten ist. Die Grenzen des Büros sind die Grenzen ihrer Welt - das zeigt sich gerade beim Betriebsausflug.

Schadensregulierung, Krisenbewältigung

Im Büro spielte sich schon die Fernsehserie ab, die bis 2012 in fünf Staffeln auf ProSieben lief und jetzt - teilweise finanziert von "Stromberg"-Fans durch Crowdfunding - mit dem Kinofilm von Arne Feldhusen fortgesetzt wird, das Drehbuch stammt vom Serienautor Ralf Husmann. Wenn hier nun die Belegschaft das Büro verlässt und zum großen Firmentreffen der Captiol-Versicherungsgruppe fährt, dann deswegen, weil Stromberg von einer bevorstehenden Entlassungswelle erfährt - die Feier könnte eine Möglichkeit sein, die Mitarbeiter abzulenken, vor allem aber, den eigenen Job zu retten. Mit anderen Worten: Schadensregulierung, Krisenbewältigung.

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Dafür muss sich der Papa schwer ins Zeug legen. Denn der Krisenherd ist nicht mehr länger nur das Büro, sondern überall. Als der Busfahrer, ein übermüdeter, totenschädelbleicher Angestellter bei "Arschloch-Reisen" (Stromberg) seinen zum Berufsbild passenden Aufgezehrtheitspathos auslebt und partout nicht weiterfahren will, muss eben Stromberg ran und die Belegschaft zum Hotel kutschieren, in dem die Firmenfeier stattfindet.

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