Streit um "Kohl-Protokolle" Kohls Anwälte wollen 115 Zitate verbieten lassen

  • Die Anwälte von Altkanzler Kohl wollen mehr als hundert Zitate in dem umstrittenen Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" verbieten lassen.
  • Das Buch stammt von Kohls ehemaligem Biografen Heribert Schwan und basiert auf Tonbandaufnahmen.
  • Edmund Stoiber kritisiert die Veröffentlichung des Buches.

Das wollen Kohls Anwälte

Einen Stopp der Veröffentlichung von "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" konnten sie vorerst nicht erwirken, nun versuchen Helmut Kohls Anwälte den nächsten Schritt. Sie wollen gegen einzelne Passagen des umstrittenen Buches vorgehen, das der Journalist Heribert Schwan aus Gesprächen mit dem Altkanzler destilliert hat. "Wir haben einen Antrag auf Unterlassung von 115 Zitaten aus dem Buch gestellt", sagte Rechtsanwalt Thomas Hermes von der Kanzlei Holthoff-Pförtner dem Magazin Focus. Kurz zuvor hatte Kohl eine Beschwerde beim Oberlandesgericht Köln zurückgezogen.

Das Zerwürfnis

In dem Buch zitiert Schwan den Altkanzler mit drastischen Äußerungen über frühere Weggefährten, darunter die von ihm 1991 in sein Kabinett berufene heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Insgesamt hat Schwan Tonbandaufzeichnungen von mehr als 600 Stunden Gespräch mit Helmut Kohl. Ziel war die Veröffentlichung von Kohls Memoiren, von denen drei Bände erschienen sind. Vor einigen Tagen bereits hatte das Kölner Landgericht einen Antrag Kohls abgelehnt, das Buch von Schwan und seinem Mitautor Tilman Jens per Einstweiliger Verfügung zu verbieten. Schwan hatte das Buch am vergangenen Mittwoch vorgestellt.

Der Bruch mit seinem Biografen

Nach seinem schweren Treppensturz 2008 musste Kohl die Arbeit mit Schwan an der Biografie unterbrechen. Im März 2009 kündigte der Altkanzler schließlich die Zusammenarbeit mit dem Journalisten auf, nachdem es zu einem Zerwürfnis zwischen beiden gekommen war. Kohl verlangte die Herausgabe der Tonbänder und bekam nach einer Klage vor dem Oberlandesgericht Köln im Sommer 2014 Recht.

Scharfe Kritik von Stoiber

Unterstützung erhält Kohl vom früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Der kritisiert die Veröffentlichung des Buches scharf und sagte der Bild-Zeitung: "Die rechtlichen Feinheiten sind für mich hier nicht entscheidend. Das ist einfach unanständig, ein Vertrauensbruch aus Profitgier."