Streit um Kinofilm "Feuerherz" Die Meute braucht Stoff

Zapp hatte vor einem Jahr mit mehreren Beiträgen den Skandal um "Feuerherz" entzündet. Die Redaktion hält nach langen Recherchen Meharis Geschichte nicht für glaubwürdig. Die in diversen Talkshows als Kindersoldatin präsentierte Popsängerin hatte auf die Frage, ob sie wirklich Kindersoldatin gewesen sei, geantwortet: "Nein, so würde ich das nicht sagen. Ich würde sagen, ich bin ein Kind des Krieges". Die "Presse sucht sich doch das aus, was am wirksamsten ist. Selbst wenn sie mich ständig als Kindersoldatin betiteln, sag ich: Okay, wenn sie das brauchen. Hauptsache, ich komme an mein Ziel".

Senait G. Mehari wehrt sich gegen Vorwürfe: Letztes Jahr sagte sie noch der "Berliner Zeitung", sie sei Kindersoldatin gewesen.

(Foto: Foto: ddp)

Mehari hatte in dem Streit Unterstützung etlicher Medien bekommen. Ihre Geschichte ist bewegend, und wer weiß genau, was in Eritrea so los ist? Im Kampf um Auflagen, Quoten und Zuschauer leidet schon mal die Authentizität.

Reine "Faktion"

Mancher Kritiker fühlt sich bei der anschwellenden Debatte an das Werk der Mitten in Afrika-Autorin Ulla Ackermann erinnert, die angeblich 16 Jahre lang als Kriegsberichterstatterin berichtet hatte und dann unter Druck einräumte, "weite Teile der Biografie erfunden" zu haben. Oder die hochgeschriebene angebliche Autobiografie des Juden Binjamin Wilkomirski alias Bruno Dössekker, der sich in eine Opferrolle versponnen hatte. "Es ist sehr schwer, eine solche Leidensbiografie in Frage zu stellen. Er wirkte absolut glaubwürdig", bekannte später eine renommierte Kritikerin.

In diesem Genre gibt es Hochstapler, Erinnerungskünstler, Traumatiker, und die Grenzen zwischen Facts und Fictions verschwimmen unauflöslich, weshalb auch die Amerikaner gern von "Faction" reden. "Wir finden die Geschichte wahnsinnig spannend" sagt die beim BR für "Feuerherz" zuständige Redakteurin Gladziejewski. Der Sender tritt als Co-Produzent auf. Es handele sich um die "fiktionale Verfilmung eines fiktionalen Werkes", sagt sie und fügt hinzu: "Es kann doch nicht bestritten werden, dass es in Afrika Kindersoldaten gegeben hat."

Genau das ist das Problem. Darf man mit gezinkten Geschichten aufklären? Verstellt die inszenierte Realität den Blick auf das echte Grauen? Und was ist mit denjenigen, die in dieser Mischwelt aus Fiktion und Fakten als angebliche Mordmaschinen auftauchen wie die angebliche ehemalige Kommandantin, die nach eigenem Bekunden nur eine harmlose Mitschülerin war? "Ich habe nicht geglaubt, dass das in die Kinos kommt. So weit gehen sie nicht, habe ich gedacht. Ich bin keine Mörderin". Sagte sie Zapp.

In ersten Ankündigungen des Films war von der Kommandantin Agawegatha die Rede, einer "hübschen und charismatischen jungen Frau". Jetzt legen alle Beteiligen Wert darauf, dass es sich in dem Film um eine Erwachsene handele, die nichts mit der Buchfigur zu tun habe.

Was aber ist, wenn der Filmbetrachter auch das Buch gelesen hat und die falschen Rückschlüsse zieht? Müssen Opfer gebracht werden? Die Meute braucht Stoff, und die afrikanische Tragödie soll doch die steinernen Herzen erschüttern.