Stephen King: Die Arena Eine Bande bösartiger Kinder

Auch diese politischen Affinitäten sind vertraut: Sie klingen nach dem zur Entstehungszeit des Buches populären Bush-Bashing - nach einer Kritik an allem Republikanischen und zumal an dieser "Scheißkirche", in der sie glauben, "alle außer ihnen seien dazu verdammt, in die Hölle zu kommen."

Bald werden unter der Kuppel jedoch auch die Ressourcen und die Atemluft knapp und es kommt zu einer beschleunigten "lokalen Erwärmung": global warming in a nutshell. Was jemanden wie King, der der berühmteste Schriftsteller der Welt sein will, an der Ökologie faszinieren muss, ist ihr universaler Anspruch:

Niemand kann entkommen, alle sind Teil dieses dramatischen Plots. Und genau daher kommt auch der Hass, den Stephen King gegenüber religiösen Fanatikern und Leugnern der ökologischen Katastrophe empfinden muss, wenn er sie in Schurken wie Big Jim karikiert.

Der Zorn des Marktes

Es ist ein Hass gegen die Spalter, gegen die anderen, die Amerika zerreißen und einen Parallelmarkt mit Religionskitsch eröffnen, auf dem es Stephen King nicht zu kaufen gibt. Es ist, kurz gesagt, der Zorn des Marktes, der in seinem Wunsch nach universaler Durchdringung behindert wird.

Er gibt das auch einigermaßen unumwunden zu - er zeigt nämlich, wenn auch versteckt, die eigene Fratze. Denn natürlich stellt sich irgendwann die Frage, woher diese Kuppel eigentlich so plötzlich kommt. Dass sie eine göttliche Strafe sein könnte, fällt als Antwort aus, genau wie die Regierungsverschwörung. Das wäre ein Red-State-Reflex, Tea-Party-Gezeter, ultrakonservatives Radio-Geraune, also politisch genau auf der falschen Seite.

Es waren die Aliens

Kings Antwort ist aber mindestens genauso bizarr und vertraut, aber, nun ja, demokratischer, aufgeklärter, beinahe naturwissenschaftlich: Es waren natürlich die Aliens, oder genauer gesagt deren Sprösslinge: "Gott hat sich als eine Bande von bösartigen kleinen Kindern erwiesen, die Interstellare X-Box spielen. Ist das nicht komisch?"

Allerdings. Aber dann ist es auch irgendwie ein bisschen bösartig, die eigenen Taten fremden Kindern in die Schuhe zu schieben. Denn die kleine Kiste, die aussieht wie das "neue Apple TV" und die für alles verantwortlich ist - die hat natürlich in Wahrheit Stephen King erfunden und nach Chester's Mill gestellt. Er selbst ist der Außerirdische, die auktoriale Macht außerhalb des Buches, und darum malt er uns auch ein wunderbares Autorenporträt: "Sie waren geometrische Körper, die in schützendes Leder gehüllt zu sein schienen. Vage menschlich an ihnen wirkten nur die rautenförmigen Vertiefungen an zwei Seiten. Sie hätten Ohren sein können."

Kommt das unserer Vorstellung von Stephen King nicht tatsächlich ziemlich nahe?

STEPHEN KING: Die Arena. Roman. Aus dem Englischen von Wulf Bergner. Heyne Verlag, München 2009. 1280 Seiten, 26,95 Euro